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Mit Witz und Sarkasmus

Sehenswert: Die Inszenierung von „Fack ju Göhte“ feiert Premiere im Deutschen Theater

Mitreißend: die Tanzeinlagen im Musical „Fack ju Göhte“ in der aufpolierten Neufassung im Deutschen Theater in München. © Foto: Nico Moser/Deutsches Theater

Zurück in die Schule. Das dürfte diese Woche für manche durchaus mit gemischten Gefühlen verbunden sein. Schließlich können Sommerferien nie lang genug dauern. Und von der gerade veröffentlichten PISA-Studie fangen wir am besten erst gar nicht an. Da macht es deutlich mehr Spaß, dem Deutschen Theater einen Besuch abzustatten, wo pünktlich zum Start des neuen Schuljahrs „Fack ju Göhte“ Station macht. Ein Musical, das eng mit München verbunden ist.

Nach der leider viel zu kurzen Laufzeit im damals neu eröffneten Werk7 führt die gelungene Adaption des gleichnamigen Filmerfolgs inzwischen zum Glück auf Tour ein zweites Leben. Denn hier hat man tatsächlich mal ein aktuelles deutsches Musical, das auch ohne recycelte Pop-Hits reichlich Ohrwürmer parat hält. Von der Cro- und Sido-Hommage, über Bollywood-Sound und das flotte „Spring ins kalte Wasser“ haben Simon Triebel und Nico Rebscher eine coole Playlist vorgelegt, die immer noch sehr viel Spaß macht. Vor allem, wenn sie so verpackt wird wie hier.

Im Regiestuhl sitzt einmal mehr Christoph Drewitz, der sein aus dem Werksviertel vertrautes Konzept mit einer neuen Bühnen-Generation noch einmal nachpoliert hat. Ein frischer Anstrich, der nun noch tiefer in die Pop-Kultur und Videospiel-Ästhetik eintaucht. Und die zum Finale gezeigte, neu „übersetzte“ Kurzfassung von „Romeo und Julia“ muss man definitiv selbst gesehen haben. Denn die lässt sich nur schwer in Worte fassen. Nachsitzen heißt es dagegen für Silvio Römer. Er war schon bei der Uraufführung im Ensemble mit dabei und schlüpft nun Vollzeit in die Bomberjacke des Zeki Müller. Ein Ex-Knastbruder, der sich mit seiner ruppigen Art den Respekt der Problem-Klasse 10b verdient. Und natürlich hat Römer diese Paraderolle inzwischen im kleinen Finger. Da sitzt jeder zotige Witz und jeder sarkastische Blick punktgenau. Ein Besuch der Show lohnt sich aber auch wegen dem Ensemble. Pardon, wegen des Ensembles. Wie einen Referendarin Lisi Schnabelstedt wohl korrigieren würde. Als schüchternes Mauerblümchen ist Hannah Leser das perfekte Gegenstück zu Silvio Römer. Wer sie noch aus der „Cher-Show“ in bester Erinnerung hat, dürfte die wandlungsfähige Darstellerin zu Beginn kaum wiedererkennen. Aber keine Angst. Je mehr Lisi aus der Reserve gelockt wird, umso mehr darf auch Leser zeigen, wieviel Power sie in der Kehle hat.

Mithalten kann da auch Nini Stadlmann als frustrierte Direktorin. Sie genießt es sichtlich den fiesen Schuldrachen zu spielen, und garniert das Ganze mit ordentlich Selbstironie. Bei so einer starken Besetzung verschmerzt man es leicht, dass die Choreos von Jonathan Huor nicht durchwegs mit dem kraftvollen Original mithalten. Und dass man der Tour gerne wieder eine Live-Band gegönnt hätte. Denn die bräuchte es bei einem kleinen „dreckigen“ Stück wie diesem schon, um auch mal spontan auf das spielfreudige junge Ensemble reagieren zu können.

Aber dafür ist es für die älteren Semester durchaus nicht ohne Unterhaltungswert, wenn man beobachtet, wie die GenAlpha im Publikum angesichts der teils „veraltet“ wirkenden Jugendsprache von 2013 hin und wieder leicht mit den Augen rollt. Aber da muss eben jede Generation irgendwann mal durch. Glückwunsch, liebe GenZ, auch Eure Lingo hat mittlerweile Nostalgiepotenzial. Willkommen bei den Erwachsenen!TOBIAS HELL

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Freitag, 2. Oktober 2026
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