Bayerns größtes Römerfest

von Redaktion

Ostbayern und Oberösterreich bieten kulinarische Entdeckungsreise auf römischen Spuren

„Frittierte Pfauenzungen“ und „Gefüllte Giraffenhälse“: So manche der Spezialitäten, die die alten Römer einst besonders schätzten, würden auf den Speisekarten von heute wohl kaum Begeisterungsstürme hervorrufen. Vieles aber, was die Römer nach Mitteleuropa brachten und hier kultivierten, hat zwei Jahrtausende überdauert. Besonders in Ostbayern und Oberösterreich lassen sich die Spuren des römischen Essens und Trinkens bis heute erleben und faszinieren dabei immer mehr Besucher.

Jedes Jahr im Sommer drehen die Initiatoren von Bayerns größtem Römerfest auf dem Gelände des ehemaligen römischen Kastells „Abusina“ bei Bad Gögging (Kreis Kelheim) die Zeit zurück. Mit historischen Gladiatoren-Schaukämpfen, Speerwurf-Vorführungen germanischer Krieger und Legionären in voller Rüstung –- und vor allem römischen Spezialitäten entführt das Fest Gäste in den Alltag von vor 2000 Jahren.

Die dreitägige Zeitreise in die römische Vergangenheit findet vom 16. bis 18. August statt. Probieren können Besucher unter anderem „Lukanische Würstchen“, „Perna“ – einen in Honigsoße marinierten Schinken – und „Moretum“ – einen deftig-würzigen Schafskäse mit Kräutern auf Mostbrötchen. Nicht fehlen darf auch der erfrischende Würzwein Mulsum. Die Römer hatten auch bereits das Eis erfunden: frische Früchte vermischt mit Gletschereis – bei „Salve Abusina“ garantiert es als Erdbeer-Granité eine „zartschmelzende Verführung“. Geöffnet hat im Sommer auch wieder Bayerns „einziger römischer Biergarten“, den Fackeln und Öllampen an den Festabenden in ein besonderes Licht tauchen.

In Bayern, das mit rund 600 Brauereien heute unangefochten die höchste Braudichte in der Bundesrepublik aufweist, hat der Gerstensaft auch eine römische Vergangenheit. Im Westen der UNESCO-Welterbestadt Regensburg, einst als Castra Regina von den Römern gegründet, wird sie erlebbar: In Regensburg-Prüfening sind im Kornweg die Überreste der wahrscheinlich ältesten römischen Brauerei nördlich der Alpen zu sehen.

Cäsar ließ seinen Gästen Bier in goldenen Pokalen servieren – und versorgte auch seine Truppen stets mit ausreichenden Mengen. Überliefert ist sogar das Rezept eines „Bier-Cocktails“, der einst römische Soldaten stärkte: Er nannte sich „Bilch“ und bestand aus einer Mischung von Bier, Milch und Eiswürfeln.

Römer brachten Weinbau mit

Traditionell schätzten die Römer auch den Wein – und wollten während ihrer Herrschaft im heutigen Ostbayern und Oberösterreich nicht auf ihn verzichten. So pflanzten die Legionäre an den Donauhängen unter anderem bei Regensburg Reben an. „Ad vinitores“ – „Bei den Winzern“, der römische Name des kleinsten Regensburger Stadtteils belegt, dass die Römer den Weinbau an den nördlichsten Punkt der Donau brachten. Das Baierweinmuseum in Bach erzählt die Geschichte des Weinbaus in Altbayern und dessen römische Ursprünge. Auch in Oberösterreich wird bis heute entlang der Donau Wein angebaut.

„Einen römischen Durstlöscher nach altem Geheimrezept“ versprechen die Veranstalter der Regensburger Stadtführung „Veni – vidi – vici“.

Ein Legionär und eine Römerin – sie sind im wirklichen Leben Geschichts-Studenten der Universität Regensburg – begrüßen dort Touristen in Rüstung und Kleidung nach originalen Vorlagen.

Deutschlands

ältestes Kaffeehaus

Einen nicht ganz originalen, aber dafür umso originelleren süßen „römischen“ Gruß bietet in der 2000-jährigen Stadt an der Donau das Café Prinzess, Deutschlands ältestes Kaffeehaus. Die Pralinenkreationen „Toller Römer“ mit fein gehacktem Ingwer, Rahmganache und Bitternougat und die „Römerin“ mit ihrer fruchtigen Weinganache und Mandelnougat begeistern dort nicht nur Geschichts-Enthusiasten.

Museum mit römischen Rezepten

Die Geschichte der maßgeblich durch die Römer beeinflussten Wein- und Biertradition der Region erzählen auch Exponate im Römermuseum Quintana im Landkreis Deggendorf. Bei Events servieren Freunde des Museums dort einen originalen „römischen Soldateneintopf“. Für Schulen bietet das Museum sogar eine eigene kleine römische Rezeptsammlung. Dort findet sich zum Nachkochen auch das Rezept für den „Puls fabata“, jenen deftigen Getreide-Gemüse-Eintopf, der vor allem aus Dinkel, Karotten, grünen Bohnen und Speck besteht – und Soldaten Kraft für den Dienst an der Grenze des Imperium Romanum gab. Im Römermuseum „Kastell Boiotro“ in Passau können Kinder bei Ferienaktionen jedes Jahr im Sommer die Geheimnisse der römischen Küche entdecken.

Erlebnisführer für die Hosentasche

Die App „Römerspuren“ begleitet Entdecker auf ihrer Tour durch die große kulinarische Geschichte der Region. Den innovativen „römischen Reiseführer“ für die Hosentasche haben der Tourismusverband Ostbayern und Oberösterreich Tourismus gemeinsam entwickelt. Die Römerspuren-App ist kostenlos für Android und iOS in den App-Stores verfügbar. Zusätzlich informiert eine gedruckte Übersichtskarte über sehenswerte historische Stätten und lohnenswerte Routen in der „Römerregion“ Ostbayern und Oberösterreich. Mehr unter www.ostbayern-tourismus.de/roemerspuren.

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