Nachhaltig Feste feiern

von Redaktion

Die Gans brutzelt goldgelb im Backofen. Der herrliche Braten-Duft mischt sich mit Aromen von Zimt und Orange und erfüllt das ganze Haus. Heiß dampft Glühwein in der Weihnachtsmanntasse. Leise klingt Last Christmas aus dem Radio. Der Sekt ist kaltgestellt, der Tisch festlich gedeckt. Letzte Kugeln werden an den Christbaum gehängt und das Jesus-Kind in seine Krippe gebettet.

Ach, ist das schön, so gemütlich – fröhliche Weihnachten überall! Zur gleichen Zeit allerdings bemalt eine Wanderarbeiterin im ostchinesischen Yiwu eine kleine Krippenfigur. Sie hat keine Ahnung, wen oder was der Säugling darstellen soll. Für sie bedeutet er Arbeit. Unzählige hatte sie während der letzten Schichten in den Händen.

13 Stunden, sieben Tage die Woche schuftet sie für 25 Euro pro Tag – inklusive Rückenschmerzen und bei beißendem Gestank nach Chemikalien. Längst hat sie es aufgegeben, die Farbe von den Fingern waschen zu wollen.

Sie ist eine von Tausenden in der für chinesische Verhältnisse kleinen Stadt, aus der fast zwei Drittel aller Weihnachts- und Neujahrs-Deko-Artikel in rund 750 Fabriken produziert werden. Fröhlich ist das weder für die Arbeiter, noch für die Umwelt.

Natürliche Materialien machen´s gemütlich

Ein wenig Glanz und Gloria gehören an den Festtagen aber einfach dazu. Das geht aber auch, ohne andere Menschen auszubeuten. Der Tipp: Einfach selbst kreativ werden! Mit ein wenig Fingerspitzengefühl lassen sich aus natürlichen Materialien wie Tannenzweigen und -zapfen oder Stechpalmen mit den hübschen roten Beeren, Holz, Stroh, Orangen und Äpfeln nachhaltige Alternativen zu schädlichem Baumschmuck basteln. Lametta zum Beispiel ist häufig immer noch mit Blei belastet. Im Internet finden sich unzählige Anregungen: einfach den Suchbegriff „Nachhaltige Weihnachtsdeko“ eingeben und inspirieren lassen.

Nun ist Zeit aber knapp, gerade an den Festtagen. Wer dennoch Abwechslung in der Deko möchte, kann bei den Nachbarn tauschen gehen – auch eine schöne Gelegenheit, gemeinsam einen Glühwein zu trinken. Servietten und Tischdecken möglichst aus Stoff und alles in der selben Farbe, das spart beim Waschen Zeit, Wasser und Energie.

Nichts bringt einem Raum mehr Gemütlichkeit als das weiche Licht einer Kerze. Den schönen Schein trübt allerdings die Tatsache, dass die meisten aus Paraffin bestehen – einem Abfallprodukt aus der Erdöl-Industrie. Als Alternative werden Kerzen aus Stearin angeboten. Das ist nichts anderes als Palmöl, für dessen Anbau Regenwälder gerodet werden.

Besser sind Kerzen aus Raps- oder Sonnenblumenöl (online bei Waschbär, Hansnatur, Avocadostore) oder aus Bienenwachs. Ein Kilo Wachs entspricht der Jahresproduktion eines Bienenvolkes und mit etwa sieben Euro pro Zehner-Pack Teelichter (BUNDladen online) sind sie im Vergleich teuer.

Alternativ gibt es Bio-Bienen-Wachs zum Beispiel bei der Imkerei Misthilger in Oberbergkirchen. Aus den Kerzen-Resten kann man an Silvester, statt des klassischen Bleigießens die Zukunft vorhersagen. Kerzen sind ein schönes Luxusgut für besondere Anlässe: entsprechend sollten sie achtsam und sparsam eingesetzt werden.

Ein wenig Achtsamkeit ist auch bei elektrischer Beleuchtung gefragt. Laut dem Unternehmen Lichtblick erleuchteten 2018 in der Weihnachtszeit rund 16 Milliarden Lämpchen Deutschland. Das entspricht einem Stromverbrauch von circa 600 Millionen Kilowattstunden – damit könnten alle Haushalte des Landkreises Rosenheim ein Jahr lang versorgt werden. Kostenpunkt: 182 Millionen Euro. Mit ein paar Tricks lässt sich nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch bares Geld sparen.

Elektrisches mit Stecker für die Steckdose ist besser als Deko die Batterien benötigt, denn die landen irgendwann im Müll. Lichterketten, Leuchtstern und Co. sollten möglichst mit LED-Lichtern und einer Zeitschaltuhr ausgestattet sein: bis zu 90 Prozent Einsparung sind drin.

Blinkt und leuchtet es nur ein paar Stunden am Abend, werden zudem Tiere, die das künstliche Licht mit Sonnenschein verwechseln, in ihrem natürlichen Bio-Rhythmus nicht gestört.

Mehr Informationen zur Vermeidung von Lichtverschmutzung unter www.paten-der-nacht.de.

Den Kleiderschrank der Freundin plündern

An Weihnachten und Silvester soll nicht nur das Haus festlich herausgeputzt sein, sondern auch Gastgeber und Gäste wollen glänzen. Anstatt jedes Jahr etwas Neues zu kaufen, kann man recycelte Kleidung tragen oder einen Blick in den Kleiderschrank der Freundin werfen.

Für den Gala-Auftritt lässt sich die Robe zum Beispiel unter chic-by-choice.com/de mieten.

Schöner Schein

Glitzersprays lassen Baum und Deko in tausend Facetten funkeln – und zerstören die Umwelt. Das meiste Glitter – ob Spray, Pulver oder im Prosecco – besteht aus Plastik-Folien, beschichtet mit Lacken, Farben und Metallen. Bestandteile wie Aluminium, verschiedene Kunststoffe und Polyester sind, selbst mit modernen Techniken, nur schwer zu filtern und gelangen so in die Umwelt, den Nahrungskreislauf und am Ende auf die Lebensmittel auf dem Teller.

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