Frauenpower und viele Pfoten

von Redaktion

Legendäres Iditarod-Hundeschlitten-Rennen in Alaska

Das Hundegebell lässt sich schon aus kilometerweiter Entfernung vernehmen. In der mit Schnee präparierten 4th Avenue im Stadtzentrum von Anchorage sind knapp 40 Hundeschlittenteams aufgereiht, die auf den Startschuss warten. Die Hunde – überwiegend Huskys und Alaskan ­Malamutes – sind allesamt Hochleistungssportler: fit, hochmotiviert und bestens vorbereitet für das „Last Great Race“, wie das legendäre Iditarod-Hundeschlittenrennen genannt wird. Tausende Menschen säumen die Strecke, Kamerateams interviewen die Hundeschlittenführer, die Musher. Zahlreiche Helfer haben alle Hände voll zu tun, um die aufgeregten Hunde im Zaum zu halten, die nur eines wollen: losrennen. Der Startschuss erlöst sie. Wie Geschoße fliegen sie förmlich durch Downtown ­Anchorage.

Der Iditarod ist eine der größten Herausforderungen an Kondition und Durchhaltevermögen von Mensch und Tier. Jedes Jahr machen sich die Hundeschlittenteams mit je zwölf bis 16 Hunden auf ihren langen Weg durch die eisige Wildnis Alaskas. Nach rund 1600 Kilometern durch gebirgiges Gelände, zugefrorene Flüsse, dichte Wälder, weite Tundren und sturm­umtoste Küstengebiete erreichen sie das Ziel in Nome in Nordwestalaska. Dieses Jahr ist es am 1. März wieder soweit: 37 Hundeschlittenteams werden sich dem Marathon stellen. Neun Tage werden die Schnellsten benötigen, bis sie in der alten Goldgräberstadt Nome durchs Ziel sausen.

Im Starterfeld – bereits zum 14. Mal dabei – ist Anna Berington, eine von elf Musherinnen des Iditarod. Zwölf Mal in Folge hat die 40-Jährige das Rennen mit ihrer Zwillingsschwester Kristy bestritten, jede mit ihrem eigenen Hundeschlittengespann. „Als ich das erste Mal am Iditarod-Start stand, habe ich gehört, wie sich zwei Typen über mich unterhielten: ‚Man darf gespannt sein, wie weit sie mit ihrem hübschen Gesicht kommt‘“, grinst Anna. „Ich habe mir einen Kommentar verkniffen, nur geschmunzelt, als ich mit meinen Hunden ins Ziel gefahren bin.“ Blickt man auf die Geschichte dieses legendären Rennens zurück, haben schon immer die Frauen große Akzente gesetzt. Pionierin war Libby Riddles, die beim Iditarod 1985 triumphierte.

Bereits ein Jahr später startete Susan Butcher ihre Siegesserie. Viermal gewann die studierte Tiermedizinerin das Rennen. Ihre liebevolle Art, mit den Hunden umzugehen, und zwangfreie Trainingsmethoden waren wegweisend für die Entwicklung des Dog Mushings.

Zurück zu den Berington-Zwillingen.

Aufgewachsen auf der Familienfarm in Wisconsin, kamen sie schon als kleine Mädchen mit Schlittenhunden in Berührung. Schnell wuchs der Wunsch, selbst ein Hundeschlittenteam zu besitzen. Sie heuerten bei Dean Osmar an, einem Iditarod-Champion in Alaska, und lernten alles Wichtige über den Hundeschlittensport. Die Leidenschaft hat sich bis heute nicht abgenützt. „Es ist großartig zu erleben, wie verspielte Hundewelpen zu Top-Athleten heranwachsen“, so Anna. „Das Vertrauen und der Respekt füreinander sind gegenseitig.“ Topfit sind nicht nur die Schlittenhunde. Anna: „Ich betreibe viel Ausdauersport, denn ich laufe beim Rennen auch viel neben dem Schlitten her, um meine Hunde zu entlasten.“ Brigitte v. Imhof

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