Ein Haus zum Zusammenstecken

von Redaktion

Forscher entwickeln kostengünstiges Bausystem

Die Wohnungsnot nimmt in Deutschland immer gravierendere Züge an. In Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main oder München können sich viele Menschen trotz geregelten Einkommens die Miete nicht mehr leisten – von einem Eigentumserwerb ganz zu schweigen. Die Branche sucht deshalb händeringend nach effizienten, kostengünstigen Bausystemen, um dem Problem auf Dauer Herr zu werden. Ein neues Holzbaustecksystem, entwickelt von einem Team an der Fakultät für Architektur der Hochschule München (HM), mit dem sich digital entworfene Häuser aus nachhaltigen Materialien zeitsparend, kostengünstig und einfach bauen lassen, gibt hier Anlass zur Hoffnung.

Häuser werden
digital geplant

Das Besondere an dem entwickelten System ist, dass das gewünschte Haus individuell am Computer geplant, gestaltet und konfiguriert werden kann: „Anders als bei einem Fertighaus, bei dem ein immer gleiches Modell gebaut wird, lassen sich mit unserer Lösung unterschiedliche Häuser planen und herstellen“, so HM-Professor und Projektleiter Julian Krüger. Dafür entwickelte das Forschungsteam ein Softwaretool, um ein digitales Gittermodell des geplanten Gebäudes zu erstellen, bei dem unter anderem der Grundriss, die Form sowie Fensterpositionen und -größen frei konfigurierbar sind.

Krüger ist von seinem Projekt überzeugt, das merkt man ihm an: „Vom Anbau bis hin zum Einfamilienhaus lassen sich so individuelle Häuser planen und digital fertigen – jedes davon ein Unikat“, schwärmt der Professor.

Sobald der Entwurf abgeschlossen ist, erzeugt das System automatisch die Produktionsdaten für jedes einzelne Bauteil des Holzhauses. Eine computergesteuerte Anlage für Holzbearbeitung produziert die Bauelemente, die sich dann unkompliziert zusammenstecken lassen. Wichtig ist den Wissenschaftlern bei ihrem Projekt auch der Aspekt der Nachhaltigkeit. „So setzen wir auf Holz als nachwachsenden Baustoff, wodurch der ökologische Fußabdruck des Bauens deutlich reduziert werden kann“, betont Krüger. Der erste Prototyp – ein rund 20 Quadratmeter großes Gebäude – ist bereits Realität und wurde auf Deutschlands größter Baumesse, der BAU 2025, in München vorgestellt. Christoph Kastenbauer

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