Wenn jemand in einen Oldtimer einen Elektromotor einbaut, erntet er inzwischen nicht viel mehr als ein Schulterzucken. Schöne Sache. Doch was Rüdiger Knepper auf vier Räder gestellt hat, ist ein ganz besonderer Käfer: Sein elektrischer 1303 RS-E wurde mit 604 PS gemessen.
„Wir haben hier das derzeit technisch Maximale eingebaut“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Sein Oldtimer ist ausgestattet wie ein topmodernes E-Auto. Nur eben alles unter der kugeligen Käfer-Karosserie. Im Jahr 2016 hatte der Inhaber von Knepper Bugs & More im nordrhein-westfälischen Rahden auf einer USA-Reise mit seinem Sohn René einen VW Käfer 1303 Baujahr 1975 in Kalifornien entdeckt und nach Deutschland geholt.
Und dann begann der Umbau, der so radikal erfolgte, dass Knepper Bugs & More als Hersteller in den Papieren eingetragen ist. Man bediente sich bei den Besten: Vom Tesla Model S Performance stammt ein Motor mit 647 PS, dessen im VW auf 604 PS gedrosselte Power mittels Antriebswellen aus dem Porsche 930 an die Hinterräder abgegeben wird. Vom Porsche Taycan wurden 17 Akkus mit einer Leistung von 48 kWh so vorne und hinten im Fahrzeug verteilt, dass der originale Gepäckstauraum unter der Motorhaube erhalten werden konnte. Gewindefahrwerk, Stabilisatoren und Bremsen stammen vom Porsche 944.
Vom Stand auf Tempo 100 beschleunigt der Käfer in 2,8 Sekunden, als Höchstgeschwindigkeit sind aktuell 190 km/h angegeben, die Nadel schafft es noch nicht ganz bis zu den im Tacho optimistisch angeschriebenen 220 km/h. Als Reichweite hat Rüdiger Knepper rund 250 Kilometer ermittelt. Bei einer vierwöchigen 8.000-Kilometer-Tour durch Europa und Nordafrika hat der 1303 Standfestigkeit und Reisetauglichkeit unter Beweis gestellt.
Rund 250.000 Euro beträgt der Wert des VW 1303 RS-E. „Aber das ist ein Einzelstück, der wird nicht verkauft“, sagt Knepper. Denjenigen, die Appetit auf einen Stromer-Käfer bekommen haben, biete er Versionen mit kleineren Motoren in der Dimension von rund 250 bis 300 PS an (www.knepper-bugsmore.de). Für solch ein Exemplar werden rund 150.000 Euro fällig. „Das ist alles Handarbeit.“ VOLKER PFAU