Neue Pflichten, zusätzliche Sicherheitssysteme und der Wandel Richtung Dekarbonisierung prägen 2026 den Nutzfahrzeug- und Transportsektor in Deutschland. Wichtige Termine sind der 1. Juli 2026 mit der erweiterten Tachografenpflicht und der 7. Juli 2026 mit neuen EU-Vorgaben für Sicherheitssysteme sowie mehrere Branchenevents im Mai und im September 2026.
Ab dem 1. Juli 2026 müssen Transporter und Vans über 2,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht inklusive Anhänger, die gewerblich grenzüberschreitend oder in der Kabotage eingesetzt werden, mit einem intelligenten Tachografen der zweiten Generation (G2V2 oder höher) ausgestattet sein. Die Nachrüstung darf laut Angaben der Behörden nur in zertifizierten Werkstätten erfolgen; zusätzlich kommen erweiterte Dokumentations- und Kontrollpflichten auf die Unternehmen zu. Werkverkehr und bestimmte Fahrten zu Eigenzwecken können von der Pflicht ausgenommen sein, wenn das Fahren nicht die Haupttätigkeit darstellt – dies müssen Unternehmen im Einzelfall sorgfältig prüfen.
Neue Systeme
für die Sicherheit
Auch bei den Sicherheitssystemen greifen neue EU-Vorgaben: Ab dem 7. Juli 2026 werden Notbremsassistenten (AEB) für neu zugelassene Lkw in der EU verpflichtend; bislang galt eine solche Pflicht vor allem für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Neue Lkw und Busse müssen zudem mit Ereignisdatenschreibern („Black Box“, EDR) ausgerüstet werden, die bei Unfällen oder kritischen Situationen Fahrdaten aufzeichnen. Diese Pflicht soll bis 2029 schrittweise auf alle Fahrzeuge der betroffenen Kategorien ausgeweitet werden. Unternehmen müssen nach Branchenangaben nicht nur die Technik beschaffen, sondern auch Fahrer schulen und interne Prozesse anpassen, da bei Verstößen Bußgelder oder sogar Stilllegungen im Rahmen von Kontrollen drohen können.
Parallel dazu verändert sich der Markt für Güterverkehr und Nutzfahrzeuge. Laut Mittelfristprognose des Bundesverkehrsministeriums wird nach mehreren Jahren Rückgang im Straßengüterverkehr ab 2026/ 2027 wieder mit einem leichten Wachstum gerechnet, der Gesamtverkehr bleibt jedoch „unter strukturellem Druck“. Die Einschätzung stammt aus der gleitenden Mittelfristprognose Sommer 2025, die unter anderem von Intraplan Consult im Auftrag des Ministeriums und des Bundesamts für Logistik und Mobilität (BALM) erstellt wurde und die Entwicklung nach Verkehrsträgern differenziert. Die Dekarbonisierung im Segment der leichten und schweren Nutzfahrzeuge hat die Industrie deutlich vorangetrieben. Batterieelektrische Lkw und Transporter sowie andere alternative Antriebe kommen verstärkt in den Markt, wie Hersteller und Verbände mitteilen. Die öffentliche und private Lade- beziehungsweise Tankinfrastruktur entwickelt sich zwar positiv, ist aber noch nicht flächendeckend verfügbar, was die Umstellung ganzer Flotten bremst.
Gleichzeitig sorgen reduzierte Förderprogramme, politische Unsicherheiten und ein zunehmender Wettbewerbsdruck – insbesondere durch chinesische Hersteller mit preislich aggressiv positionierten Fahrzeugen – für wachsende Herausforderungen bei deutschen und europäischen Anbietern.
Messen rund um
Nutzfahrzeuge
Impulse sollen 2026 mehrere Branchentreffen geben. Die Handelsblatt-Jahrestagung „Nutzfahrzeuge 2026“ in Freising im Mai widmet sich nach Angaben der Veranstalter Themen wie Dekarbonisierung, Infrastruktur, Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie neuen Geschäftsmodellen in Transport und Logistik. Ein weiterer Höhepunkt ist die IAA Transportation in Hannover, die vom 15. bis 20. September stattfindet. Die Messe will ihren Schwerpunkt auf innovative und nachhaltige Transport- und Logistiklösungen legen und damit zeigen, wie sich Technik, Markt und Regulierung im Nutzfahrzeugsektor weiter verzahnen.