München gilt als eine der sichersten Großstädte Deutschlands. Allerdings nicht überall. So stieg im südlichen Bahnhofsviertel seit Beginn des Hauptbahnhofsumbaus die Zahl der Straftaten stark an. Was einst an einem zentralen Platz – dem Hauptbahnhof – gebündelt war, schwemmten nun Bauzäune und Bagger hinaus in das angrenzende Viertel.
Geschäftsleute und Anwohner berichten von Drogenhandel auf offener Straße, Gewaltausbrüchen und Kriminalität, vom Taschendiebstahl bis zum Raubüberfall. Eine „erheblich verschlechterte“ Sicherheitslage beklagte die Münchner CSU bereits im Sommer vergangenen Jahres. In der 700 Meter langen Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und den Kliniken an der Nußbaumstraße finde „regelmäßig offener Drogenhandel statt“. Und weiter: „Kriminelle Banden verbreiten ein Klima der Angst, Aggressivität herrscht, bedrohliche Situationen durch Gewalt und ständige Auseinandersetzungen bestehen“, beklagt die Münchner CSU.
Kriminalität
ins Viertel verdrängt
Um dieser Situation Herr zu werden, soll nach aktuellen Berichten der Stadt erneut die sogenannte Taskforce Bahnhofsviertel tätig werden. Hier arbeiten städtische Referate, die Polizei, Gewerbetreibende, Vereine sowie Sozial- und Hilfsorganisationen eng zusammen, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Am Alten Botanischen Garten hat dies schon funktioniert – die Verdrängung der dortigen Kriminalität spürt man nun allerdings im südlichen Bahnhofsviertel.
Die Philosophie dieser Taskforce: Den Kriminellen nicht die Straße zu überlassen. Die Sicherheit verbessern soll hier zwar auch mehr Polizei, aber vor allem soziale Aktionen und ein gemeinschaftliches Zusammenwirken. Zu den möglichen Maßnahmen zählen deshalb unter anderem der Aufbau von Schanigärten sowie die Organisation von Straßenfesten und einem Christkindlmarkt. Gemäß der Broken-Window-Theorie, nach der äußere Anzeichen von Verwahrlosung zu mehr Kriminalität führen, will die Stadt mit Begrünung durch Blumenkübel oder Wanderbäume gegensteuern. Auch neue Fahrradstraßen, eine Verbesserung der Beleuchtung und die Gestaltung von Fassaden durch Kunstprojekte sind geplant. Um häufigere Gewerbekontrollen sowie eine intensivere Bestreifung durch den Kommunalen Außendienst (KAD) bei gleichbleibend hoher Präsenz der Polizei dürfte man dennoch nicht herumkommen. Dieser Notwendigkeit ist man sich auch innerhalb der Taskforce und direkt bei der Stadtverwaltung bewusst.
Situation für
Anwohner verbessern
In der kommenden Woche findet das nächste Treffen der Taskforce mit den Vertretern aus dem Viertel statt. Durch die enge Zusammenarbeit und die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse soll in der Goethestraße ein nachhaltiges und effektives Konzept entstehen. Die Taskforce erhofft sich vom Pilotversuch wichtige Erkenntnisse für weitere Maßnahmen im gesamten Viertel. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, brauche es – bis der neue Hauptbahnhof fertiggestellt ist – „Kreativität, um die Situation der Anwohnenden zu verbessern“. Christoph Kastenbauer