Kunstvoll: die riesigen Pappmaché-Figuren namens Ninots.
Die Fallas de València sind alles andere als gewöhnlich. Nicht wenige zählen sie gar zu den spektakulärsten Festen im Mittelmeerraum. So auch Laura Llopis, die von Kindesbeinen an daran teilnimmt: „In den Tagen vor dem Josefstag verwandelt València sich in ein riesiges Freilichtmuseum für vergängliche Kunst.“ Damit spielt die 50-Jährige nicht nur auf die Farb- und Schießpulverexplosionen an, die vom 1. März an täglich um 14 Uhr vor dem Rathaus gezündet werden, sondern vor allem auf die rund 800 höchst kunstvoll hergestellten Ninots. So heißen die meterhohen Figuren aus Holz und Pappmaché, welche die über 375 Fallas-Vereine ins Rennen schicken und damit „ihr“ Stadtviertel repräsentieren wollen. Wie aufwendig da die Koordination allein für die Standorte dieser „Denkmäler“ sowie die Durchführung der Paraden ist, kann man sich denken.
Beim Finale am 19. März, der „Noche de la Crema“ gehen die Ninots, von Bands, Geböller und Jubel begleitet, in Flammen auf und anschließend viele Leute in Bars und Kneipen, wo es munter weitergeht. „Auch an den fünf Tagen davor gleicht València einem Hexenkessel, überall wird gefeiert“, so Llopis. Allein an der Ofrenda de Flores, dem zweitägigen „Opfergang“ zu Ehren der Heiligen Jungfrau der Hilflosen, nehmen mehr als 100.000 Kinder, Männer und Frauen in wunderschönen Kostümen teil. Fast alle der 780.000-Einwohner von Spaniens drittgrößter Stadt – nach Madrid und Barcelona – lieben die Fallas.
Auch die Unesco hat Gefallen an der Tradition gefunden und die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichenden Fallas in ihr Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Schon länger dort gelistet ist das Tribunal de las Aguas, das als Europas älteste Rechtsinstitution gilt. Bis heute tagen vor der Puerta de los Apóstoles jeden Donnerstag Herren, die in dunklen Roben auf Stühlen im Halbkreis sitzen und Urteile im Streit der Bauern um ihre Wasserrechte fällen. Jenes gotische Aposteltor ist indessen nur eines von dreien, die zur Kathedrale gehören. Da sich die Bauarbeiten zur größten und bedeutendsten Kirche Valèncias über Jahrhunderte hinzogen, kamen diverse Baustile zur Anwendung. Und die inneren Werte? Sind ebenfalls sehenswert, allen voran der Heilige Kelch, von dem es heißt, er wurde beim letzten Abendmahl Jesu Christi herumgereicht. Atemberaubend ist auch der Turm El Miguelete, seines Zeichens Stadt-Wahrzeichen. „Die 207 Stufen lohnen sich sehr“, schwärmt Llopis, „liegt einem doch von oben die hübsche Altstadt, eine der größten Europas, zu Füßen. Geballte, über 2000 Jahre alte Stadtgeschichte!“
Aber València kann auch Zukunft, und wie! Der hier geborene Santiago Calatrava hat im trockengelegten Flussbett des Túria ein futuristisches Viertel entworfen – mit einer von geschwungenen Konturen, kühnen Bögen und Wasserflächen geprägten Architektur, die der Kunst und Wissenschaft dienen soll. Die Highlights der 35 Hektar großen „Ciutat de les Arts i les Ciències“ sind die extravagante Oper, das größte Aquarium Europas, das Prinz-Philipp-Museum der Wissenschaften, ein Botanischer Garten und ein als sich öffnendes und schließendes Auge konstruiertes 3D-Kino.
Wer danach hungrig ist, findet mit dem Zentralmarkt einen herrlichen Jugendstilbau, unter dessen Stahlkonstruktion samt Kuppel rund 300 Händler ihre Waren feilbieten. Das meiste kommt dabei aus der Huerta de València. „Auf den schon von den Römern, Mauren und Goten kultivierten riesigen Anbauflächen wächst nicht zuletzt dank des milden Klimas so ziemlich alles, von Reis über Gemüse bis zu Mango, Avocado, Yuzu-Früchten“, so Llopis. „Und dann sind da ja noch die abertausenden Orangenbäume, die Ende März zu blühen beginnen – ein Traum.“ Der Frühling in València ist einfach die allerbeste Zeit… Christian Haas/srt