Der größte Porsche startet ins Elektrozeitalter. Der elektrische Cayenne ist für die meisten Käufer jenseits der finanziellen Reichweite. Das Vergnügen startet bei 105.200 Euro. Wer beim teureren Turbo kräftig individualisiert, hat schnell die Marke von 200.000 Euro überschritten. Aber weil hochpreisige Fahrzeuge mit Dingen aufwarten, die nach und nach in Normalautos verfügbar sind, ist der Blick auf sie auch einer in die Zukunft der Mobilität.
Porsche hat in diesem Modell das Potenzial der Elektromobilität konsequent weitergedacht. Die 800-Volt-Technologie ist im Segment gesetzt. Sie eröffnet neue Möglichkeiten: etwa die aktive Dämpfung „Active Ride“, die es auch im Taycan gibt. Im Cayenne passt sie sich blitzschnell der Umgebung an, steckt Unebenheiten locker weg. Im schweren Gelände verwöhnt sie die Insassen mit unerwartetem Komfort. Umgekehrt wird das SUV auf schnellen Kurvenstrecken zum Sportwagen. Passt gut zum Design des Cayenne Coupé: unten der klassische Allradler, oben die ikonische Linienführung früher 911er. Schön, bedeutet aber weniger Platz als im normalen Cayenne. Active Ride gibt es mit Aufpreis ab der S-Variante und die kostet dann 134.127,05 Euro. So schnell wird das im Massenmarkt nicht verfügbar sein. Andere Dinge schon: Etwa die praktische Handauflage, die die Bedienung auch des Touchscreens erleichtert. In wieder anderem steckt eine Menge Feintuning der Software: Der Abstandstempomat beim Einscheren anderer macht das deutlich. Das andere Auto wird früh wahrgenommen, die Geschwindigkeit moderat reduziert. Kein spätes abruptes Bremsen, das ja auch Gift für den Verkehrsfluss ist. Es sind nicht die herausragenden Technologien, sondern auch die Perfektion im Detail, die den elektrischen Cayenne aus der Masse heraushebt. Schwächen beim Fahren sind nicht auszumachen.
Da haben die Entwickler ihren Job gut gemacht. Die Basis-Variante bietet üppige 408 PS und 230 km/h Spitze, das S-Coupé 544 PS und 250 km/h. Als Turbo werden es dann 857 PS. Per Overboost lassen sich kurzfristig sogar 1.156 PS mobilisieren, die die gut 2,5 Tonnen in 7,4 Sekunden auf 200 km/h wuchten. Bei 260 km/h wird der Turbo abgeregelt. Wer das ausschöpft, wird trotz 113 kWh Batteriekapazität die bis zu 637 Kilometer Maximalreichweite deutlich unterbieten. Aber: Schnellladen von 10 auf 80 Prozent ist in 16 Minuten möglich. MARTIN PREM