Stuttgarter Fernsehturm ist 70

von Redaktion

Mehr als ein Sendemast: Zehn überraschende Fakten zum Wahrzeichen

Am kommenden Sonntag, dem 13. September, ist Tag des offenen Denkmals. Da öffnet auch das höchste Stuttgarter Wahrzeichen, das dieses Jahr übrigens sein 70-jähriges Bestehen feiert. Der Fernsehturm hoch über dem Stadtkessel wurde am 5. Februar 1956 eingeweiht. Seine Bauweise wurde zum Vorbild für eine ganze Generation von Fernsehtürmen. Das US-Magazin „Life“ bezeichnete den Turm damals als „Big Basket in the Sky“, den großen Korb im Himmel. Hier zehn Dinge, die überraschen:

1. Weltweit erster Fernsehturm aus Stahlbeton: Der Stuttgarter Fernsehturm war der Erste seiner Art: Er verband einen Stahlbetonturm mit einer öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform und Gastronomie. Seine Konstruktion wurde zum Vorbild für zahlreiche spätere Fernsehtürme.

2. Parabelform: Ursprünglich sollte in Stuttgart lediglich ein funktionaler Stahlgittermast für den Fernsehempfang entstehen. Bauingenieur Fritz Leonhardt überzeugte den Süddeutschen Rundfunk von seiner Konstruktion. Der Turmschaft verjüngt sich nach oben mit einem leicht geschwungenen, parabelartigen Verlauf. Seine Vorbilder stammen aus der Natur – wie Bambusrohre.

3. Vom Zweckbau zum Wahrzeichen: Leonhardts Idee war damals ungewöhnlich: Der Fernsehturm sollte nicht nur Technik beherbergen, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich sein. Im Turmkorb waren deshalb von Anfang an Aussichtsplattform und Gastronomie vorgesehen.

4. 20 Monate Bauzeit mit Kostenexplosion: Am 10. Juni 1954 begannen die Bauarbeiten. Nach nur 20 Monaten war der Turm fertig. Die Baukosten beliefen sich auf rund 4,2 Millionen Mark – deutlich mehr als ursprünglich geplant.

5. Ungewöhnliches Fundament: Der Turm steht nicht auf einer massiven Betonplatte, sondern auf einem eigens entwickelten Ringfundament. Es hat eine Kernweite von 27 Metern. Radial angeordnete Stahlspannglieder setzen den Ring unter Spannung und helfen, die enormen Lasten aufzunehmen. Das Fundament liegt rund acht Meter tief unter der Erde, sollte die Leichtigkeit des Turms auch optisch erhalten.

6. Der Turm kann schwanken: Der schlanke Stahlbetonschaft ist keineswegs völlig starr. Bei schweren Stürmen kann er sich aus seiner Achse heraus um bis zu 30 Zentimeter bewegen. An der Antennenspitze sind Ausschläge von bis zu 1,50 Metern möglich.

7. Gigantische Maße: Der Fernsehturm ist 216,61 Meter hoch, insgesamt bringt er 4.500 Tonnen auf die Waage.

8. Doppeljubiläum: Nicht nur der Fernsehturm wird 70, auch die Stuttgarter Liederhalle feiert 2026 ihr 70-jähriges Bestehen. Zum Tag des offenen Denkmals am 13.9. ist eine Oldtimer-Sternfahrt geplant.

9. Sanierung: Seit 2025 wird der gealterte Beton des Turms instandgesetzt und die Außenbeschichtung erneuert. Die Arbeiten finden unter anderem von Arbeitsbühnen und Hängegerüsten aus statt. Der Betrieb für Besucher läuft weiter.

10. Gratis: Am Tag des offenen Denkmals können Besucher das sonst nicht öffentlich zugängliche Turmfundament kostenlos besichtigen. Eine Auffahrt zu den Aussichtsplattformen ist zum Jubiläumspreis von 7 Euro möglich. dpa/tmn

Artikel 4 von 11