Wertvolle Zeit
Warum sollen junge und alte Menschen nicht zusammenleben? „Wohnen für Hilfe“ baut Brücken gegen Einsamkeit und Wohnungsnot.
„Wohnen für Hilfe“ bringt Jung und Alt zusammen
Das Konzept ist so einfach wie genial. Gerade in Universitätsstädten suchen junge Menschen ohne größeres Einkommen nach einer günstigen Wohnung, und das in einem höchst umkämpften Mietmarkt. Auf der anderen Seite vereinsamen alte Menschen – nachdem die Familie und der Ehepartner nicht mehr da sind – in viel zu großen Häusern und Wohnungen. Das generationenübergreifende Projekt „Wohnen für Hilfe“ setzt genau dort an. Junge Leute werden hier an Senioren vermittelt, um bei ihnen mietfrei zu wohnen. Die einzigen „Mietkosten“: ein wenig Zeit und Hilfe.
„Ich finde es schön, dass da jemand da ist“, sagt Traudl und lächelt in Richtung Sophia. Zwischen den beiden Frauen herrscht eine vertraute Stimmung, die eine ernst, ein bisschen bestimmend, die andere zwitschernd, voller jugendlichem Elan. Zwischen ihnen besteht ein Altersunterschied von 54 Jahren. Sophia kam vor fünf Jahren von Würzburg neu nach München, macht hier aktuell eine Ausbildung. Für den umkämpften Mietmarkt reichte ihr Gehalt nicht. Traudl dagegen wurde ihr Münchner Haus für sich alleine zu groß. Die einfache Lösung: Wohnen gegen Hilfe. In mehr als 30 Universitätsstädten deutschlandweit gibt es so ein Wohnkonzept mittlerweile, in München feiert es nun sein 30-jähriges Bestehen. Gerade in der bayerischen Landeshauptstadt, der teuersten Stadt Deutschlands, sind solche Initiativen bitternötig. Laut offiziellen Zahlen der Stadt haben sich im Jahr 2024 über 35.000 Haushalte für eine geförderte Wohnung beworben. Gerade einmal 2.282 haben eine erhalten. In anderen Städten sind die Probleme ähnlich. Sehr erfolgreich ist das Projekt auch in Köln, wo die dortige Universität erfolgreich junge Leute mit Senioren zusammenbringt. Die Formel ist dabei sehr einfach: Pro Quadratmeter Wohnraum, der den jungen Menschen zur alleinigen Nutzung zur Verfügung steht, sollen sie eine Stunde pro Monat helfen. Diese Hilfe bezieht sich allein auf einfache Tätigkeit im Haushalt, beim Einkaufen oder im Garten. Auch Zeit miteinander zu verbringen, zählt dazu. „Sie ist für mich sowas wie eine Ersatz-Oma“, erzählt Sophia. Ein Lächeln, eine sanfte Berührung, ein selbst gebackenes Plätzchen: Die sanfte Harmonie zwischen beiden wird trotz des Altersunterschieds sofort spürbar – wie in einer langjährigen WG.