München/Dachau – Die ersten Kliniken in Südbayern beginnen mit der Triage. „Wir werden das nicht mehr verhindern können: Wir werden in die Triage gehen“, sagte Dachaus Landrat Stefan Löwl (CSU). Man werde vereinzelt ältere Patienten nicht mehr in Kliniken verlegen, sagte ein Ärztesprecher: „Es wird auch zu Fällen kommen, wo wir die Patienten zu Hause sterben lassen.“
Triage bedeutet, dass in Krankenhäusern nach ethischen Gesichtspunkten entschieden wird, wem geholfen wird und wem mangels Kapazität nicht. In den fünf Häusern der München Klinik wurden bereits 50 Prozent der planbaren Operationen zurückgefahren. Auch hier komme ein „schleichender Prozess der Triage“, warnen Klinikverantwortliche, wenn die Impfquote nicht rasch steige.
Die Staatsregierung will die Regeln für Ungeimpfte weiter verschärfen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, seiner Koalition eine 2G-Regel für Bayern, also dann auch für Gastronomie und Hotels, vorzuschlagen. In Discos und Bars sollen nur noch Geimpfte und Genesene mit einem Schnelltest dürfen („2Gplus“). Die Lage sei „sehr, sehr ernst und wird jeden Tag schwieriger“. Söder forderte, die Ministerpräsidentenkonferenz, geplant für 18. November, müsse eine Impfpflicht in der Pflege und Auffrischungsimpfungen bereits nach fünf statt sechs Monaten auf den Weg bringen. Gestern trat zudem bayernweit wieder formal der Katastrophenfall in Kraft. München will die 2G-Regel in Wirtshäusern schon ab Montag starten.
In vielen oberbayerischen Impfzentren wird der Impfstoff knapp. Es handle sich um keinen grundsätzlichen Mangel, sondern um ein logistisches Problem, hieß es. Die Impf-Nachfrage ist diese Woche stark gestiegen. cd/no/kv/kwo