Waldkraiburg – Ja, sie gehe mit zwiespältigen Gefühlen, sagt Schwester Marlene. „Ich habe mich in Waldkraiburg sehr wohlgefühlt.“ Doch die Garser Missionsschwester freut sich auch auf Wien, die Stadt in der sie schon in den 1990er-Jahren lebte und Deutsch lernte. Auch damals lebte sie im und mit dem „Haus Sarepta“. Das ist der Name eines sozialen Projektes ihrer Ordensgemeinschaft. Schwangeren Frauen, alleinerziehenden Müttern oder Vätern sowie Paaren mit bis zu zwei Kindern, die sich in einer Not- oder Krisensituation befinden, ohne Wohnung sind und Unterstützung in einer betreuten Einrichtung suchen, bietet die Gemeinschaft vorübergehend eine Wohnmöglichkeit. Ab Januar wird Schwester Marlene dort die kleine Gruppe, drei Schwestern und eine Novizin (Schwester in Ausbildung), verstärken. Möglich wird das, weil für sie eine Stelle beim Erzbistum Wien frei geworden ist. Sie wird in zwei Pfarreien im 23. Bezirk in der Seelsorge arbeiten. Es ist also ein günstiger Zeitpunkt für den Wechsel.
Für der Pfarrverband ist es ein ungünstiger Zeitpunkt, weil die personelle Situation im Moment schwierig und fraglich ist, ob und wann die Stelle, die wieder ausgeschrieben wird, bald wieder besetzt werden kann. Eine Mitschwester wird auf absehbare Zeit nicht in der Seelsorge im Pfarrverband arbeiten können. Das ist ein Einschnitt, auch deshalb weil Garser Missionsschwestern über viele Jahrzehnte mit einer längeren Unterbrechung in Waldkraiburg als Seelsorgerinnen mitgearbeitet haben.
Schwester Marlene bereitete junge Christen auf die Firmung vor, Kinder auf die Erstkommunion, begleitete Ministranten, leitete die Sternsingeraktion, besuchte regelmäßig zwei katholische Kindertagesstätten, feierte auch Gottesdienste mit den Kindern, gestaltete Familiengottesdienste in Christkönig und Maria Schutz und Schulgottesdienste, begleitete trauernde Angehörige, hielt Beerdigungen, besuchte Geburtstagsjubilare und war im Seelsorgsteam der Ansprechpartner für die Pfarrei Christkönig.
Sie sei gerne in Waldkraiburg gewesen, sagt die 53-jährige Ordensfrau, die 1984 in ihrer chilenischen Heimat in den Orden eintrat. Die Vielfalt an Kulturen habe ihr gefallen. Als Ausländerin habe sie sich schnell beheimatet gefühlt. „Ich war Teil dieser Vielfalt.“ Auch die guten Beziehungen zur Stadt und zur evangelischen Kirchengemeinde werde sie in guter Erinnerung behalten. „Viele Ehrenamtliche arbeiten mit großer Liebe zur Gemeinde. Sie wollen, dass Kirche und Glaube lebendig bleiben. Es war ein freundschaftliches Miteinander. Die Freunde, die ich hier gewonnen habe, werden mir fehlen.“hg