In Wasserburg endet eine Ära

von Redaktion

Besonders spannend wird die Kommunalwahl in Wasserburg. Nach 24 Jahren im Amt hört Bürgermeister Michael Kölbl auf, vier Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge. Auch in anderen Gemeinden des Altlandkreises stehen wichtige personelle Wechsel an.

Wasserburg/Haag – Die Stadt, die dem Altlandkreis den Namen gegeben hatte, steht am morgigen Wahlsonntag im Fokus des Interesses: Wasserburg am Inn. Denn hier endet eine Ära: Bürgermeister Michael Kölbl hört nach 24 Jahren im Amt auf. Eine Zäsur. Vier Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge.

Doch kein langweiliger
Wahlkampf

Zuerst sah es so aus, als würde der Wahlkampf eher langweilig: Denn Bastian Wernthaler war früh aus der Deckung gegangen. Der Wunschkandidat von Kölbl trat schon im Sommer 2024 an die Öffentlichkeit, unterstützt von CSU, SPD, Grünen und Bürgerforum. Doch dann ging es im Herbst Schlag auf Schlag: Im Oktober 2024 meldete sich der Wasserburger Block zu Wort: Er schickt Georg Gäch ins Rennen, den Ex-Bürgermeister von Ramerberg. Und dann der nächste Paukenschlag im Oktober 2025: Josef Baumann will es ebenfalls noch einmal wissen, als Kandidat für die Freien Wähler Reitmehring-Wasserburg. Fast in letzter Minute kam dann Anfang Januar noch ein vierter Kandidat aus der Deckung: Milan Matijevic für die Linke Liste.

Der noch 2024 als vermutlich langweilig titulierte Kampf um die Wählergunst wurde also doch noch spannend. Wobei: Die vier Kandidaten haben in den vergangenen Wochen einen sehr ruhigen, fairen Wettkampf der Argumente geführt. Sie waren alle viel unterwegs, vor Ort in der Stadt, aber auch in den sozialen Netzwerken sehr präsent. Bei der einzigen Podiumsdiskussion mit allen Bewerbern am 11. Februar auf Einladung von Rio konkret präsentierten sich Wernthaler, Gäch, Baumann und Metijevic gut vorbereitet und informiert sowie als faire Sparringspartner. Eklats oder gegenseitige Anschuldigungen gab es auch beim Wahlkampf-Finale bis dato nicht.

Der jüngste und
der älteste Kandidat

Wasserburg ist nicht nur aufgrund des Wechsels auf dem Rathaussessel interessant. Hier treten mit Milan Matijevic (24) der jüngste und Josef Baumann (75) der älteste Kandidat um den Bürgermeister-Posten im Altlandkreis an. Vier Männer, damit liegt Wasserburg auch im Trend. Im Verbreitungsgebiet der Wasserburger Zeitung und ihrer Online-Portale gibt es nur sehr wenige Frauen, die um das Amt an der Verwaltungsspitze kämpfen: In Edling will es Nicole Bauer-Schäfer (ÜWG) wissen, die gegen Amtsinhaber Matthias Schnetzer (CSU) antritt, in Haag kämpft Amtsinhaberin Sissi Schätz (SPD) gegen Dr. Florian Haas (PWG, CSU, FWG, Grüne) um eine weitere Amtsperiode, in Isen will Irmgard Hibler (Freie Wählergemeinschaft Isen), die in Tobias Steiner (CSU) einen Gegenkandidaten hat, weitermachen. In Rechtmehring will Irmgard Daumoser (Wählergemeinschaft Rechtmehring) den in den Ruhestand gehenden Sebastian Linner, seit 2002 im Amt, beerben. Bei 30 Kandidaten im Wasserburger und Haager Land sind damit nur vier weiblich. Kommunalpolitik ist anscheinend nach wie vor Männersache, wobei festzustellen ist, dass auf den Listen für die Stadt- und Gemeinderäte die Frauen präsenter vertreten sind.

Eine Ära geht nicht nur in Wasserburg zu Ende: auch in Babensham, wo Urgestein Josef Huber in den Ruhestand geht und ihn zwei Kandidaten beerben wollen: Martin Kubiczek (WG Babensham/Kling) und Roger Diller (BfB). Auch in Griesstätt wird es definitiv schon am Sonntagabend einen neuen Amtschef geben, weil Robert Aßmus aus Altersgründen aufhört: Hier treten sein Stellvertreter Anton Strahlhuber (BfG) und Josef Linner (CSU) an. Und in Rott wagt es der einzige AfD-Bürgermeisterkandidat im Raum Wasserburg: Michael Maurer tritt gegen Amtsinhaber Daniel Wendrock (parteifrei) an. Zwei Kandidaten gibt es außerdem in Schonstett (Amtsinhaber Paul Dirnecker, Freie Wähler Schonstett, und Maximilian Heilmann, CSU) und in Soyen (Rathauschef Thomas Weber, Gemeinsame Wählerliste Soyen, und Markus Göschl, Ideen für Soyen. Auch in Maitenbeth, wo Thomas Stark nicht weitermacht, wird ein neuer Rathauschef gewählt. Bernhard Schweida (Bürgerliste Maitenbeth) tritt hier als Einziger an. Wechsel auch in Reichertsheim: Für Franz Stein will Martin Huber (Einigkeit Ramsau) ins Rathaus einziehen. Lange hatte es in Unterreit so ausgesehen, als gäbe es keinen Bewerber, nachdem Christian Seidl beschlossen hatte, nicht erneut anzutreten. Dann wurde es spannend: Ein Kandidat, der wollte, bekam starke Konkurrenz: Bei einer Wahlveranstaltung sprang plötzlich Leonhard Moosmeier (FWG Grünthal) auf und stach ihn aus. Und in Kirchdorf wurde ebenfalls ein Kandidat schon im Vorfeld aus dem Rennen gekippt: Christoph Greißl wäre noch mal angetreten, verzichtete jedoch, weil Franz Wieser (FWG Kirchdorf) die meisten Stimmen bei der Nominierung bekam.

In diesen Gemeinden
ist die Sache klar

Es gibt auch Orte, in denen die Bürgermeisterwahl klar ist, weil nur ein Kandidat antritt, der bereits Amtsinhaber ist. In Eiselfing (Georg Reinthaler, Grüne), Pfaffing (Josef Niedermeier für Freie Wähler Forsting, ÜWG Pfaffing, FWG Farrach/Rettenbach und UBG Pfaffing) und Albaching (Rudolf Schreyer, FWG Albaching) sowie in Gars (Robert Otter, parteifrei, „Bürgermeisterkandidat Robert Otter“), außerdem in Obing, wo allein Josef Huber (Freie Wähler) wieder antritt. Spannender wird es dagegen in Ramerberg: Amtsinhaber Manfred Reithmeier (UWR) hat zwei Gegenkandidaten: Florian Baumann (Gemeinsam für Ramerberg) und Konrad Fuchs (NRL/FWG). Auch in Schnaitsee hat Amtsinhaber Thomas Schmidinger (CSU) einen Gegenkandidaten: Andreas Bolze (Umweltinitiative Schnaitsee). Außerdem gibt es in Amerang für Bürgermeister Konrad Linner (Gemeindeliste Amerang) einen Gegenkandidaten: Georg Dumpler (Freie Wähler Amerang). In Soyen steht Thomas Weber (Gemeinsame Wählerliste Soyen) als Rathauschef in Konkurrenz zu Markus Göschl (Ideen für Soyen).

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