Schnaitsee – Ein voll besetzter Festsaal, eine deftige Fastenpredigt und beste Stimmung: Rund 300 Besucher sind am Samstagabend der Einladung des Musikvereins Schnaitsee zum Starkbierfest in den Festsaal des Schnaitseer Wirts gefolgt. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Musikkapelle unter Leitung von Kapellmeister Christoph Müller.
Der offizielle Bieranstich gelang souverän: Mit einem Schlag hatte Bürgermeister Thomas Schmidinger das Fass angezapft. Gemeinsam mit Anna Wittenzellner vom Musikverein und Braumeister Edmund Ernst vom Baderbräu schenkten sie das Starkbier aus dem Löwenbräufass aus – in Gläser der Brauerei Stein – in Schnaitsee ist man ja flexibel. Das Gerücht, dass der Baderbräu Löwenbräu übernommen hätte, bestätigte sich an diesem launigen Abend allerdings nicht.
Feuerwerksanekdote
zum „Warmwerden“
Der Höhepunkt des Abends war die Fastenpredigt von Thomas Schachner, der als „Bruder Thomas“ – traditionell barfuß – die Ereignisse des vergangenen Jahres mit viel Wortwitz und scharfem Blick kommentierte. Schon sein Einstieg sorgte für Raunen im Publikum. Das Jahr 2026 wurde an Silvester in Schnaitsee von einem grandiosen Feuerwerk begrüßt. Unterhalb vom Firmengelände Höflschweiger hätten sich zwei ambitionierte Pyrotechniker wirklich ins Zeug gelegt. „Bruder Thomas“ lobte dies, regte allerdings an, den Veranstaltungsplatz etwas nach Norden zu verlegen.
Der Saal war schnell auf Betriebstemperatur. Lobend erwähnte er auch die andauernden Experimente von Rainer Dettenbeck, der sich intensiv mit physikalischen Gesetzen beschäftigt. Schwerpunkt seiner Untersuchungen ist dabei die Zentrifugalkraft: Ab welcher Geschwindigkeit fliegt ein Kühlschrank vom Anhänger, wenn man diesen ohne Fixierung rasend um die Waltlhamer Kurve fährt?
Politik aufs
Korn genommen
Beim Thema Wahlen angekommen, erhielt „Bruder Thomas“ Unterstützung von „Ritter Sigi“, alias Severin Schluck, der sich auf der Bühne sichtlich schwer tat, zu entscheiden, wen er denn nun wählen solle. Passend zum Malle-Kracher von Ikke Hüftgold und den verwirrenden Kandidatennamen Scherr, Rost und Schmuck sang er also etwas ratlos: „Ich wanke noch“. Das „Musikantenecho“ mit den „Dorbins“ Wolfgang Kinzner, Monika Schluck, Antonia Schederecker, Korbinian Thiel und Markus Inselsberger übernahm den musikalischen Part für diese irren Einlagen.
Rückblickend auf die Kommunalwahlen gab es einerseits Anerkennung für sehr gute Wahlergebnisse der Kandidatinnen, andererseits auch Seitenhiebe in alle Richtungen: Der amtierende Bürgermeister stand ebenso im Fokus wie dessen Herausforderer von der Umweltinitiative, Andreas Bolze. Dessen Kandidatur sei im Wahlkampf nicht immer glücklich gewesen, scheiterte im Endeffekt aber wohl an den Teilzeitambitionen und der Tatsche, dass Biber auch dieses Mal von der Wahl ausgeschlossen waren.
Das possierliche Tier war überhaupt ein sehr wichtiges Thema in den letzten Jahren. Zum Glück konnte man sich an das Zentrum für invasive Arten in Titlmoos wenden, als in Schilling mal ein toter Biber auf der Straße lag. Nur ein Biberbeauftragter konnte mit der Entfernung beauftragt werden. Andreas Fritz-Etterer war wieder mal mit seiner Expertise gefragt und lagerte den toten Biber bis zur Freigabe durch das Landratsamt im Kühlschrank ein.
Auch die Landkreispolitik blieb nicht verschont – etwa mit der Feststellung, dass der nördliche Chiemgau „leider schon wieder keinen Landrat“ stelle und Schnaitsee ohnehin fast schon Zonenrandgebiet sei. Gesucht war eine sehr eloquente Person, die keine Bühne scheut. Aber Landrat schreibt man mit „L“, das sei zwei Nummern zu groß für den „S“ tragenden heimischen Kandidaten.
Mit der Ode „Ederer“ würdigten das Musikantenecho die verstorbenen Traudl Ederer und „Ufo“ Unterforsthuber, die jetzt wohl oben im Himmel zusammensitzen. Überhaupt sei seit der Schließung vom Ederer noch eine weitere Institution in ihrer Existenz bedroht, nämlich der Ederer-Stammtisch. Aber die Verteidiger der Stammtischkultur, Günter Schreiner und Sepp Utz, haben es sich zur Aufgabe gemacht, neue, passende Lokale aufzuspüren. Bei manchem Lokal wusste man schon nach zwei Minuten: „Des funktioniert do ned!“
Dirigiert wird dieser Stammtisch über Sprachnachrichten per Whatsapp, General Sepp „Gartner“ fordert die Männer dann zum Erscheinen auf. Aber es sind noch nicht alle Möglichkeiten für Stammtische ausgeschöpft. Bei der Aufforderung zum nächsten Stammtisch im „Leelas“ gab es noch den Hinweis: „Und bringts eier Bia selba mid, de schengan nur Kaffee aus.“ Es gab tosenden Applaus für diesen mit KI unterstützten Gag.
Überhaupt sei im wirtschaftlichen Bereich nicht alles schlecht. Beim Sägewerk Rohrer packt ein junger Mann neu an und Udo Verbega verlegt sein Sportgeschäft vom darbenden Trostberg ins Zentrum von Schnaitsee. Für die Namensgebung vom Laden will er nichts dem Zufall überlassen, der soll passen. Also hat er kurzerhand sein Tätigkeitsfeld mit Bezug auf das Pimpl-Gebäude von der KI auf Namensvorschläge prüfen lassen. Die Vorschläge waren allesamt ermutigend: „Kick and Carve“, „Scharfe Kante“ und „Lack und Leder Pimpl“.
Auch Dorf-Originale wurden gewürdigt. Done Lamprecht etwa, ein wahrer Allrounder mit Erfindergeist. Aus wenigen Zutaten kann dieser angeblich für seine Familie 1000 Liter Linsensuppe kochen. Und auch bei unverhofft auftretenden Fällen wie einer mit reichlich Schnee bedeckten Fahrbahn im Winter in den Bergen bleibt Done die Ruhe selbst. Wenn es nicht mehr weitergeht, bastelt er um die Fragmente einer Schneekette kurzerhand als verbindendes Element ein Starterkabel, und trotzt so dem österreichischen Winter.
Bürgermeister
mit Bärenkräften
Mit Humor griff „Bruder Thomas“ auch aktuelle Vereinsprojekte auf. So baute der Musikverein in den vergangenen zwei Jahren ein neues Vereinsheim „in schwer einsehbarer Lage“ – nicht zuletzt, weil dort angeblich die Jugend zur „Kinderarbeit“ verpflichtet wurde, weil sie Pflastersteine aufrichten musste. Besonders beeindruckt zeigte sich der Prediger von der Muskelkraft des Bürgermeisters, der das Gebäude fast ganz allein errichtet habe – und das trotz T-Shirt-Größe „S“. Auch die selbstlose Überlassung von immerhin 100 gelben Sonnenbrillen der Marke „Golden Toast“ durch Gründervorstand Georg Scherer zur Einweihung vergaß er nicht.
Dass der Musikverein auch die ältere Generation mit den Ü30-Bläsern im Blick hat, zitierte „Bruder Thomas“ mit einem Augenzwinkern aus den Worten der ehemaligen stellvertretenden Landrätin Resi Schmidhuber beim Frühjahrskonzert: „Schließlich müsse man dafür sorgen, dass die Senioren von der Straße wegkommen.“ Ja, man stelle sich Rosi Wäsle und Arnold Böhm als marodierende Bande vor, die vor der „Raiba“ herumlungern und Leute erschrecken.
Herausragendes
Vereinsleben in Schnaitsee
Auch andere Projekte im Ort wurden humorvoll aufgegriffen. Der Theaterverein sanierte ganz nebenbei durch die Theateraufführungen den Pschorrhof, was musikalisch mit der Zeile „Lass das Theater die Bühne bauen, die richten den Pschorrhof schon“ gewürdigt wurde. Insgesamt, so die Botschaft des Abends, laufe das Vereinsleben in Schnaitsee hervorragend. Die Vereine verzeichnen großen Zulauf – sogar der Männerverein nehme mittlerweile Frauen auf, und andersherum sei man ebenfalls offen.
Für einen weiteren Höhepunkt sorgte ein Auftritt von „Pfarrer Mario“, gespielt von Fabian Schluck. Dieser animierte das Publikum kurzerhand zur Beckenbodengymnastik („Kraft muss vom Körperzentrum ausgehen.“). Die Übungseinheit soll künftig möglicherweise sogar Einzug in den kirchlichen Alltag halten. „Bruder Thomas“ ergänzte, eine Mitbewohnerin des Pfarrers brachte auf diesen ganzheitlichen Ansatz, Seelenheil und Gesundheit gehören zusammen.
Die bärenstarke Leistung von Andreas Mittermayr als deutscher Meister im Fingerhakln hob „Bruder Thomas“ auch noch mal gesondert hervor: „Er hod alle übern Tisch zong, der wär prädestiniert für a Politikerkarriere oder ois Bänker.“
Mit weiteren Anmerkungen zu erstaunlichen Gegebenheiten beim TSV-Trainingslager und den Vorbereitungen einer Motorsport-Gang schloss die Fastenpredigt. Mit stehendem Applaus bedankten sich die Zuhörer bei Thomas Schachner und dem Musikantenecho.