Tod in einer Höhle auf Teneriffa

von Redaktion

Spanische Polizei geht von brutalem Verbrechen des Ehemanns an Frau (39) und Kind (10) aus

Madrid/Santa Cruz de Tenerife – Der Tod einer Deutschen und ihres zehnjährigen Sohnes in einer Höhle auf Teneriffa geht laut spanischer Polizei auf ein skrupelloses Verbrechen zurück. „Alles deutet darauf hin, dass die Mutter und ihr Kind in der Höhle brutal zu Tode geprügelt wurden“, sagte ein Sprecher der Ermittler. Am mutmaßlichen Tatort rund 15 Kilometer von der Gemeinde Adeje entfernt sei viel Blut gewesen.

Der 43 Jahre alte Ehemann wurde schon vor der Entdeckung der Leichen vorläufig festgenommen. Der kleine Bruder des toten Jungen hatte der Polizei zuvor von einem brutalen Angriff des Vaters erzählt und so eine große Suchaktion ausgelöst. Noch gestern bestritt der Verdächtige, etwas mit dem Tod seiner Frau und seines Kindes zu tun zu haben. Er soll heute dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Autopsie der Leichen könnte Aufschluss zur Tat bringen.

Unter Berufung auf die Polizei berichtete die Regionalzeitung „Diario de Avisos“, der Verdächtige weise „leichte Verletzungen auf, die auf einen Kampf hindeuten“. Bei seiner Festnahme habe der Mann heftigen Widerstand geleistet, erklärte der Vertreter des Madrider Innenministeriums auf den Kanaren. In der Vernehmung habe der Mann beteuert, die Frau und der Sohn seien am Leben gewesen, als er die Höhle verlassen habe. Ein Sprecher der Polizei sagte, es gebe noch „sehr vieles zu klären“.

Der kleine Bruder des toten Jungen, nach verschiedenen Angaben fünf bis sechs Jahre alt, war am Dienstagnachmittag von Passanten weinend, mit dreckiger Kleidung und unter Schock aufgegriffen worden. Die Behörden schätzen, dass das Kind zuvor an die fünf Stunden lang auf der Insel umhergeirrt war. Der Fünfjährige habe anschließend der Polizei erzählt, dass der Vater die ganze Familie am Dienstag mit dem Wagen zur Höhle gefahren habe. Dort habe er sowohl die Mutter als auch die Kinder brutal attackiert, berichteten Medien. Dem Kleinen sei nach eigenen Angaben die Flucht gelungen. „Der Kleine war sehr erschrocken, zitterte, hatte viel Angst und bat darum, dass man ihn nach Deutschland bringt“, sagte eine Frau, die ihn aufgriff und zur Polizei brachte. Er wurde von Sozialarbeitern und Psychologen betreut. Laut Medien hatten sich die Eltern vor einiger Zeit getrennt.

Adejes Bürgermeister José Miguel Rodríguez Fraga sagte, der Deutsche wohne den Erkenntnissen zufolge seit einiger Zeit dauerhaft in der Gemeinde, sei aber nicht gemeldet. Seine in Deutschland wohnende Familie sei regelmäßig zu Besuch gekommen. Die 39-jährige Frau und die Kinder waren laut Bürgermeister am Montag auf Teneriffa eingetroffen. Gegen den Festgenommenen lägen in Spanien keine Anzeigen wegen häuslicher Gewalt vor.

Die deutsche Familientragödie löste nicht nur in Adeje, sondern in ganz Spanien große Bestürzung, Anteilnahme und Interesse aus. Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte sich auf Twitter mit tiefem Bedauern und Erschütterung: „Aus Adeje (Teneriffa) erreichen uns die schlimmsten Nachrichten. Eine Frau und ihr Sohn sind ermordet worden. Die Macho-Gewalt schlägt wieder doppelt zu“, schrieb der Sozialist.

Nachbarn des Deutschen in Adeje wussten wenig zu berichten. Nachbarin Nati, die nach eigenen Angaben „seit eineinhalb Jahren Tür an Tür“ mit dem Mann wohnte, sagte, der Mann habe sich abgeschottet. „Er saß immer auf der Terrasse, hat sich gesonnt und las jeden Tag fünf oder sechs Stunden lang Zeitung. Gearbeitet hat er wohl nicht.“ Andere Nachbarn erzählten, der Deutsche sei oft nur aus dem Haus gegangen, um mit einem Hund spazieren zu gehen.

Das grausame Verbrechen in Spanien hat den Osterurlaub einer Familie aus Traunstein getrübt. Weil der Mann genauso heiße wie der Tatverdächtige, hätten spanische Medien ein Foto von seinem Facebook-Profil verbreitet, sagte eine Sprecherin vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Dort sei er unter anderem auf Spanisch beschimpft worden. Dabei stammten die umgebrachte Deutsche, ihr ebenfalls getöteter zehnjähriger Sohn und der festgenommene Ehemann aus Sachsen-Anhalt.

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