Oldtimer-Boom auf Deutschlands Straßen

von Redaktion

Zehnprozentige Steigerung in einem Jahr – Besondere Vorliebe für historische Autos in Bayern

Flensburg – Große Gefühle für altes Blech: Die Zahl der Oldtimer in Deutschland ist erneut gestiegen. Zum 1. Januar 2019 zählte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 536 515 Fahrzeuge, die 30 Jahre oder älter waren. Das sind 58 765 mehr als ein Jahr zuvor. Besonders lieben die Bayern die historischen Fahrzeuge: In kaum einem anderen Bundesland tuckern so viele alte Autos über die Straßen wie zwischen Main und Alpen, insgesamt waren es über 100 000.

Was macht das Fahren eines Oldtimers attraktiv? „Das ist bei jedem Oldtimer-Liebhaber individuell“, so der ADAC. „Viele Menschen erfüllen sich einen Kindheitstraum und kaufen sich das Traumauto ihrer Jugend oder das Fahrzeug, das der Vater oder Großvater gefahren hat.“ Für andere stehe das Erleben der historischen Technik und das Fahrerlebnis im Vordergrund. Und andere schätzten es einfach, selbst an einem Auto zu schrauben – was in dieser Form an modernen Fahrzeugen kaum mehr möglich ist.

Als Wertanlage sind Oldtimer derzeit nur bedingt geeignet. Der Preisanstieg bei den gängigsten Modellen betrug 2018 nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) nur 2,2 Prozent. 2017 sei der Zuwachs mit 1,4 Prozent sogar noch geringer gewesen. Einzelne Modelle trotzen jedoch der langsamen Preisentwicklung. So erlebte der BMW 3.0 CSi im vergangenen Jahr „eine sprunghafte Preisentwicklung“. Ein Grund dürfte nach Angaben des VDA die Seltenheit des Typs sein: „Heute gibt es nur noch 441 zugelassene Fahrzeuge des BMW-Sportcoupés.“

Der am häufigsten zugelassene Oldtimer in Deutschland ist demnach der VW-Käfer, gefolgt vom Mercedes W 123 und dem Porsche 911/912. Der in der Vergangenheit recht günstige Wagen erlebte im vergangenen Jahr die zweitstärkste Preissteigerung. Aufgrund des Alters brauche er mehr aufwendige Reparaturen oder Restaurierungen, die sich im Preis niederschlügen, so der Verband. Die Fahrzeuge, die aufgrund ihrer Seltenheit oder ihrer Geschichte besonders teuer gehandelt werden, sind im sogenannten Oldtimer-Index des VDA nicht berücksichtigt.

Auch der ADAC betonte, Wertsteigerungen bei Oldtimern gebe es nur bei wenigen Modellen und vor allem im sehr hochpreisigen Segment. „Bei den meisten Modellen gleichen die Kosten für Pflege, Wartung und die sachgerechte Lagerung eventuelle Wertzuwächse aus.“ Daher, so der Ratschlag, solle bei der Anschaffung eines Oldtimers immer die Freude am klassischen Fahrzeug im Vordergrund stehen.

Ein Grund, warum die Zahl der Oldtimer zunimmt, ist laut ADAC, dass der Gesamtbestand an Fahrzeugen seit Jahren wächst. Den mit Abstand größten Anteil haben die Autos. Darunter sind 148 000 Cabrios. Die meisten Oldtimer auf deutschen Straßen haben zwischen 30 und 39 Jahre auf dem Buckel: Immerhin 104 000 Fahrzeuge sind zwischen 50 und 59 Jahre alt, 43 000 zählen 60 Jahre oder mehr.

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