Auszug aus dem Elternhaus: Der Durchschnitt geht in Deutschland mit knapp 24 Jahren. © Klose/dpa
Wiesbaden – Die Geschichte sorgte vor einem guten halben Jahr für weltweite Lacher: Eine italienische Mutter war vor Gericht gezogen, damit ihre beiden Söhne – 40 und 42 Jahre alt – endlich von daheim ausziehen. Die Richter gaben der alleinerziehenden Frau Recht: Die beiden Muttersöhne mussten das „Hotel Mama“ verlassen. In Italien gibt es verhältnismäßig viele Leute, die auch weit über den 18. Geburtstag hinaus noch bei den Eltern leben. Das durchschnittliche Auszugsalter lag nach einer Erhebung der EU-Statistikbehörde im vergangenen Jahr bei genau 30 Jahren. Meistens sind es Männer. Man nennt sie „Mammoni“ („Muttersöhnchen“) oder auch „Bamboccioni“ („Riesenbabys“). Zum Vergleich: In Deutschland liegt das durchschnittliche Auszugsalter nach Eurostat-Angaben bei knapp unter 24.
Viele junge Erwachsene wohnen noch bei ihren Eltern. Im Jahr 2023 lebte mehr als ein Viertel (28 Prozent) der 25-Jährigen in Deutschland noch im elterlichen Haushalt, wie das Statistische Bundesamt auf Basis von Ergebnissen des Mikrozensus mitteilt. Der Anteil ist seit dem Jahr 2020 nahezu gleichgeblieben. Die Söhne lassen sich mit dem Auszug etwas mehr Zeit: Im Alter von 25 Jahren lebte im Jahr 2023 noch jeder Dritte (33 Prozent) bei den Eltern. Bei den Töchtern war es gut jede Fünfte (21 Prozent).
Der Unterschied zwischen den Geschlechtern bleibt auch im fortschreitenden Alter bestehen. Mit 30 Jahren wohnten immerhin noch 13 Prozent der Männer als Kind mit im Elternhaushalt, jedoch nur sechs Prozent der Frauen. Im Alter zwischen 30 und 40 Jahren reduzieren sich diese Anteile noch einmal deutlich: Mit 40 Jahren wohnten nur noch fünf Prozent der Männer und rund zwei Prozent der Frauen bei den Eltern.
Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat lag das durchschnittliche Alter beim Auszug aus dem Elternhaus in Deutschland 2023 mit 23,9 Jahren deutlich niedriger als im EU-Durchschnitt. Noch früher ziehen Kinder in Nordeuropa von zu Hause aus. Mit 21,4 Jahren hatte Finnland das niedrigste Auszugsalter. Auch in Dänemark und Schweden (je 21,8 Jahre) verließen Kinder das Elternhaus vergleichsweise früh.
Im Gegensatz dazu ist das Auszugsalter in den süd- und osteuropäischen Ländern vergleichsweise hoch. Der höchste durchschnittliche Wert wurde mit 31,8 Jahren in Kroatien festgestellt. Aber auch in der Slowakei (31,0), in Griechenland (30,6) und Spanien (30,4) sowie Italien und Bulgarien (je 30,0) zogen Kinder spät bei den Eltern aus.
Überall in der EU, mit Ausnahme Maltas, zogen Töchter früher aus als Söhne. In Deutschland betrug das durchschnittliche Alter beim Auszug aus dem Elternhaus 2023 bei Frauen 23,1 Jahren und bei Männern 24,7. Zum Vergleich: Im EU-Durchschnitt lag das durchschnittliche Alter bei Auszug bei Frauen bei 5,4 Jahren und Männern bei 27,2 Jahren.
Es handelt sich bei den Daten um Erstergebnisse des Mikrozensus. Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung, bei der jährlich rund 1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland befragt wird. Alle Angaben beruhen auf Selbstauskünften. Um aus den erhobenen Daten Aussagen über die Gesamtbevölkerung treffen zu können, werden die Daten an den Eckwerten der Bevölkerungsfortschreibung hochgerechnet. Die Daten zum EU-Vergleich stammen von Eurostat.