Folie ist nicht gleich Folie

„Weiterentwicklung braucht langen Atem“

von Redaktion

Beim Begriff „Folie“ geht der erste Gedanke zur Plastikfolie oder Tüte im Supermarkt. Die Anwendungsbereiche, in denen Maschinen der Brückner Gruppe zur Verstreckung von Folie zu finden sind, gehen jedoch deutlich darüber hinaus. Sie stellen Hightech-Produkte her. Auch an der „Folie der Zukunft“ forscht das Unternehmen mit.

Siegsdorf – Ein Fotoapparat ohne Film – und damit Folie – war früher undenkbar, auch die VHS-Kassette setzte auf das Material. Heute sind es Spezialfolien in Smartphone-Displays, Fernsehern oder Batterien, die diese abgelöst haben. „Der Markt ist stetig im Wandel. Es fällt immer mal eine Anwendung weg, dafür kommt eine neue hinzu“, weiß Michael Baumeister, Geschäftsführer der Brückner Maschinenbau GmbH & Co. KG für den Bereich Technik und Logistik, aus Erfahrung. So wie sich der Markt wandelt, hat sich auch das Geschäftsgebiet des Weltmarktführers bei Folienstreckanlagen verändert. Waren die Maschinen um die Jahrtausendwende zwischen 80 und 90 Prozent im Bereich Verpackung eingesetzt, beträgt der Anteil heute nur noch rund 60 Prozent. 40 Prozent machen mittlerweile technische Anwendungen aus. Dieses Verhältnis werde sich in den nächsten Jahren noch weiter ausgleichen, ist Baumeister überzeugt. Wobei das Volumen insgesamt stetig steigt. „Es ist nicht so, als ob der Bereich Verpackung kleiner geworden wäre. Andere Anwendungsbereiche sind hinzugekommen.“

In den vergangenen Jahren hat sich Brückner Maschinenbau auch insgesamt gewandelt: vom klassischen Maschinenbau zur Auseinandersetzung damit, was für ein Produkt der Endkunde braucht. „Wir gehen stärker in die Wertschöpfungs- und Lieferkette“, so Verkaufsleiter Karl Zimmermann. Denn ob als Verpackungsfolie, in der Industrie oder der Energiebranche, eine Folie, für deren Herstellung die Brückner Gruppe Anlagen entwickelt, ist in vielen Anwendungsbereichen zu finden. Auch wenn man sie auf den ersten Blick nicht sieht. „Verstreckte Folien sind ein Hightech-Produkt“, betont Baumeister.

Neue Anwendungen,

weniger Material

Das zeigt auch die Forschung des Unternehmens zur „Folie der Zukunft“. Im Bereich Industrie ist Brückner unter anderem in mehreren Arbeitskreisen vertreten und so maßgeblich an Forschung und Entwicklung beteiligt – auch, um die Maschinen herstellen zu können, die für diese neue Art von Folie nötig sind. Einen möglichen künftigen Einsatzbereich zeigt Michael Baumeister auf: „Es könnten zum Beispiel Folien mit Schaltkreisen bedruckt oder als flexible Displays genutzt werden. Die Folie wird somit zum Trägermaterial.“

Doch nicht nur in diesem Anwendungsbereich laufen Weiterentwicklungen, auch für den Verbraucher offensichtliche Anwendungsfälle für Folien stehen immer wieder auf dem Prüfstand. Unter anderem wird das Material – auch unter den stetig steigenden Anforderungen im Umweltschutz – immer dünner, während Eigenschaften wie die Barrierewerte gegen Gase wie Sauerstoff erhöht werden. Die „Olympischen Spiele“ der Folienbranche, so Karl Zimmermann. Aus einem Kilogramm Granulat könnten 50 Quadratmeter Folie mit einer Dicke von rund 15 my hergestellt werden – das entspricht der Hauptoberfläche von bis zu 25 erwachsenen Menschen. „Das zeigt: Es braucht kaum noch Rohstoff, um Folien herzustellen.“

Alle Eigenschaften

„in einem Schuss“

Es geht jedoch nicht nur um das eingesetzte Material. Ein Trend geht auch dahin, im Produktionsprozess durch mehrschichtige Folien „in einem Schuss“ bereits alle gewünschten Funktionen zu integrieren – ohne, wie zum Beispiel bei einer Chipstüte, später noch eine Metallisierung auftragen zu müssen. Oder ein Additiv könnte beispielsweise später durch Verfärbung anzeigen, wenn die Kühlkette eines verpackten Produkts unterbrochen wird, zeigen Baumeister und Zimmermann Möglichkeiten für die Zukunft auf.

Am Standort Siegsdorf hat Brückner in ein eigenes Technologiezentrum investiert, in dem auch gezielt für Kunden entwickelt wird. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist eine Batterie-Separator-Folie – mit Blick auf die künftige Energiespeicherung immer wichtiger, aber auch für Laptops, Mobiltelefone, Tablets, E-Bikes und Elektromobilität allgemein.

Insgesamt brauche es bei der Weiterentwicklung von Folien immer einen langen Atem, so Karl Zimmermann. Ein Bereich, den Brückner in den kommenden Jahren verstärkt ins Auge fassen wird, ist unter anderem die Wasseraufbereitung. „Auch dort wird eine Membran zur Wasserfilterung gebraucht. Das könnte ein nächster großer Markt werden“, ist Michael Baumeister überzeugt. Aber auch im Bereich Medizin sind Folien wichtig – als Membranfolie oder in chemischen Zellen zwischen Anode und Kathode. „Hier ist die Entwicklung exponentiell. Das ist auch für uns ein völlig neues Geschäftsfeld“, so der Geschäftsführer.

Stichwort: Nachhaltigkeit

„Das Know-how und die Anlagen, um Bio-Kunststoffe wie beispielsweise PLA zu verstrecken, haben wir. Jedoch ist die Nachfrage noch äußerst gering“, so Michael Baumeister. Dennoch beobachte das Unternehmen den Markt und die Möglichkeiten ganz genau. Die Prognose Baumeisters: Der Anteil nachwachsender Rohstoffe werde wachsen, vor allem auch in Kunststoffgemischen. Brückner könne durch umfangreiche Forschung und Entwicklung in diesem Bereich die erforderlichen Technologien zur Folienerzeugung bereitstellen.

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