Traunstein – Pro Tag wird in Bayern laut Statistik eine Fläche so groß wie 18 Fußballfelder in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt. Mit einem Volksbegehren wollen die GRÜNEN mit anderen Bündnissen und Organisationen in Bayern den Flächenverbrauch auf fünf Hektar pro Tag eindämmen. Dagegen erhebt sich Widerstand – unter anderem von den Industrie- und Handelskammern Traunstein und Berchtesgaden. Die Vorsitzenden der beiden IHK-Ausschüsse machten bei einem Pressegespräch in Traunstein ihre Positionen deutlich. Es sei Zeit, „sich die tatsächliche Flächennutzung in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land anzuschauen“, erklärte IHK-Regionalausschussvorsitzende Irene Wagner aus Marktschellenberg. So seien im Landkreis Traunstein 91,5 Prozent der Flächen und im Berchtesgadener Land 93 Prozent der Flächen Natur oder würden für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Das gehe aus den Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik hervor. „Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen beanspruchen mit Stand Ende 2016 in beiden Landkreisen jeweils gerade einmal 0,6 Prozent.“ Trotz Zunahme der Wirtschaftsleistung und der Zahl der Beschäftigten habe sich der Anteil von Gewerbe- und Industrieflächen an den Gebietsflächen „zwischen 2011 und 2015 in beiden Landkreisen nicht verändert“. Grundlage ist, dass nur aktuell bewirtschaftete Flächen gezählt werden und Betriebsaufgaben oder -verlagerungen nicht berücksichtigt werden.
Wagner betonte, durch eine pauschale Flächen-Obergrenze würden Kommunen und Betriebe im Kampf um Flächen für Wohn-, Gewerbe-, Verkehrs- und Freizeitflächen unnötig in Konkurrenz gebracht. Boomende Betriebe mit dem Wunsch nach Erweiterung müssten sich nach Orten mit besseren Standortfaktoren umsehen. Dies sei jedoch nicht gewollt. Nikolaus Binder, IHK-Regionalvorsitzender aus Traunstein, sprach sich für ein Maßnahmenpaket aus, das die Kommunen nicht einschränke, „sondern bei der Planung und Nutzung von Flächen effizienter macht“. Dazu gehöre ein bedarfsorientiertes, aktives Flächenmanagement, das vor allem innerörtliche Potentiale ausschöpfe, und eine verdichtete Wohnbebauung. Weiter eine verstärkte Kooperation unter den Kommunen, etwa in Form gemeinsamer Flächennutzungspläne, eines abgestimmten Infra-struktur- und Standortmanagements sowie einer Verbundlösung für Ausgleichsflächen über Gemeindegrenzen hinweg durch „Pools“. Ein Schwerpunktthema bildete der Flächenverbrauch auch bei der anschließenden Sitzung des IHK-Regionalausschusses in Traunstein. eff