Trostberg – Die AlzChem Group AG, ein Hersteller von speziellen Chemieprodukten, beginnt ab Januar 2019 mit der weltweiten Vermarktung des in Trostberg entwickelten Futtermittelzusatzes „Creamino“ im Eigenvertrieb. Die bisherige, exklusive Zusammenarbeit mit Evonik Industries endet laut AlzChem zum 31. Dezember 2018.
Mit dem Eigenvertrieb strukturiert das Unternehmen, das führende Positionen in ausgewählten Nischenmärkten einnimmt, den weltweiten Verkauf von „Creamino“ neu. Es handelt sich dabei um einen Futtermittelzusatz, der im Körper zu Kreatin umgewandelt wird. Ursprünglich in Sportlernahrung eingesetzt, wo er etwa für gesundes Muskelwachstum sorgen soll, findet der Stoff seit einiger Zeit auch Verwendung in Tierfutter in der Landwirtschaft. Futterverwertung und Wachstum sollen dadurch bei Nutztieren angeregt werden. Agrarbetriebe könnten dadurch, so AlzChem, die insgesamt benötigte Futtermenge reduzieren. Der Einsatz könne zu Kosteneinsparungen aufseiten der Tierhalter „und generell zu einer Reduktion des ökologischen Fußabdrucks bei Futterproduktion und -transport führen“. Um der stetig steigenden Nachfrage gerecht zu werden, baut AlzChem nun die Kapazitäten am Standort Trostberg kräftig aus. Das Unternehmen teilt mit, insgesamt 50 Millionen Euro in eine neue Produktionsanlage für den Futtermittelzusatzstoff zu investieren. Der Bau startete im März dieses Jahres. Der Vorstand bezeichnet das Bauvorhaben als „große Investition der Firmengeschichte“. Bis Mitte 2019 sollen die Kapazitäten von derzeit 7000 Tonnen auf 21000 Tonnen pro Jahr verdreifacht werden.
Futtermittelzusatzstoffe gehören in Trostberg zum Segment Spezialchemie. Dieses ist mit mehr als 50 Prozent Umsatzanteil größter Geschäftsbereich – der Futtermittelzusatz hat dabei einen Anteil von rund acht Prozent – und umfasst die Herstellung und den Vertrieb hochwertiger, chemischer Erzeugnisse für diverse Endmärkte, etwa die Biotechnologie-, Diagnostik- und Pharmaindustrie, aber auch die Keramik-, Beschichtungs- und Fotovoltaikindustrie.
Ulli Seibel, Vorstandsvorsitzender der AlzChem Group AG, dazu: „Wir haben Creamino in den Jahren 2005 bis 2009 entwickelt. Unser Ziel ist, durch den Eigenvertrieb die Wertschöpfung im Unternehmen weiter zu erhöhen“, das Produkt wolle man strategisch weiterentwickeln sowie unter anderem weitere Anwendungsfelder in der Tierernährung erschließen. Eine eigene Vertriebsmannschaft ist dazu geplant.
Der Zusatzstoff stehe dabei beispielhaft für die Strategie des Trostberger Chemieunternehmens, sich auf hochwertige Spezialchemie zu fokussieren „und damit von Megatrends wie beispielsweise dem weltweiten Bevölkerungswachstum“ zu profitieren.
AlzChem bezeichnet sich als vertikal integrierter Hersteller von diversen chemischen Produkten der Calciumcarbid-/Calciumcyanamid-Kette mit schwerpunktmäßiger Ausrichtung auf Spezialchemie. Der Hauptsitz des Unternehmens mit eigener Forschung und Entwicklung befindet sich in Trostberg. Vier weitere Produktionsstandorte sind in Deutschland, einer in Schweden. Insgesamt sind 1500 Mitarbeiter beschäftigt. Im ersten Quartal 2018 erzielte man einen Umsatz von 95 Millionen Euro und geht von einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich in diesem Jahr aus. Im Februar 2018 wagte AlzChem den Sprung an die Börse; zum damaligen Zeitpunkt der erste Börsengang des Jahres. Das Unternehmen hat eine lange Entstehungsgeschichte. Zu den Vorgängerfirmen gehört unter anderem die SKW Trostberg AG. sen