Prien – In immer mehr deutschen und damit auch bayerischen Familien und Betrieben steht ein Generationenwechsel an. Einer, der sich auf diesem Gebiet gut auskennt, ist der Priener Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht Dr. Heinrich Thomas Wrede. Er wurde kürzlich vom „Handelsblatt“ in der Kategorie „Nachfolgeplanung und Stiftungen“ zum Anwalt des Jahres 2021 ausgezeichnet, im 50. Jahr seiner Anwaltstätigkeit. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich mit ihm unterhalten.
Das von dem Anwalt im Jahr 1976 erbaute Kanzleigebäude befindet sich nur wenige Meter vom Priener Rathaus entfernt. Der Hof ist mit kleinteiligem Pflaster aus rotem Porphyr belegt. Er setzt sich in Plattenform im Parterre des Hauses bis in den Besprechungsraum des bekennenden Kunstliebhabers fort.
Zukunftsplanung
eine Kernaufgabe
Das gleichmäßige Tick-tack der Kaminuhr auf dem Fenstersims unterstreicht die Ruhe, die dieser ehrwürdige, gediegene Raum ausstrahlt. An den Wänden hängen großformatige Gemälde von Bruno Goller, im Regal stehen Bronzefiguren von Huub und Adelheid Kortekas und antiquarische Holzmöbel sind im Raum verteilt.
„Die Themen Nachfolgeplanung und Stiftungen sind eng aneinandergekoppelt“, erklärt Wrede. Die lebzeitige Unternehmensnachfolge hält der Anwalt für jede Familie und jeden Betrieb für eine wichtige Kernaufgabe. Er empfiehlt, sich rechtzeitig darum zu kümmern.
Als Beispiel erzählt er von einem Landwirt, der es ständig vor sich hergeschoben habe, sein Testament zugunsten eines von ihm gewählten Erbens aufzusetzen. „Als der Landwirt plötzlich und unerwartet verstarb, ist die ansehnliche Landwirtschaft versteigert und das Vermögen unter 24 gesetzlichen Erben aufgeteilt worden.“
Wrede sagt, er habe die Erfahrung gemacht, je älter die Menschen würden, umso schwerer falle es ihnen, ihr Lebenswerk für die Zeit nach sich zu ordnen: „Wenn die Nachfolge nicht rechtzeitig unter Berücksichtigung der steuerlichen Gegebenheiten geregelt ist, können Steuerlast und Pflichtteilsansprüche im schlimmsten Fall zur Aufgabe der Firma führen.“
Werde die Nachfolge dagegen zu Lebzeiten geregelt, könnten alle Steuersparmöglichkeiten genutzt werden, zum Beispiel in zeitlichen Zehn-Jahres-Abständen Vermögen auf Kinder und Ehefrau steuerfrei zu übertragen.
Und wenn es keinen Nachfolger in der Familie gibt? Dazu Wrede: „Dafür gibt es die charmante, aber mit Behutsamkeit zu behandelnde Möglichkeit einer Adoption.“
In einem „Hochsteuerland“ wie Deutschland kämen Familien und die Eigentümer von Betrieben „irgendwann in Größenordnungen“, in denen sie sich der Steuer wegen etwas für die Regelung der Vermögensnachfolge einfallen lassen müssten. Eine Stiftung könne dem Erhalt der Firma und der Versorgung der Erben dienen. Außerdem seien Stiftungen in der Regel mit einem wohltätigen Zweck verbunden.
Wrede nennt als „Hausnummer“ Werte ab zehn Millionen Euro als eine interessante Option für eine Stiftung. Wegen der damit verbundenen laufenden Kosten sei auf sie stets ein sorgsamer Blick zu werfen.
Der 80-Jährige könnte sich schon längst zur Ruhe setzen, Sohn Florian ist in der Kanzlei als Wirtschaftsjurist im Inkassobereich tätig. Im Juli dieses Jahres feierte Dr. Wrede Goldene Promotion und Goldenes zweites Staatsexamen, privat steht im Dezember die goldene Hochzeit bevor. Zum Leidwesen seiner Gattin, wie Wrede mit einem Augenzwinkern erklärt, sei er selbst immer noch in Vollzeit berufstätig.
Sein Beruf sei seine Leidenschaft. Sein besonderes Interesse habe schon im Studium dem Erbrecht gegolten. Er kommentierte zum Beispiel die Vorschriften der Erbengemeinschaft im Deutschen Erbrechtskommentar. Außerdem schuf Wrede die Lions-Stiftung Prien für häusliche Alten- und Krankenpflege, deren Vorsitzender er ist.
Anwalt denkt selbst
nicht ans Aufhören
Die Auszeichnung des Handelsblattes zum Anwalt des Jahres 2021 solle er „mit heiterer Selbstzufriedenheit“ hinnehmen, wie es einer seiner Freunde ausgedrückt habe. „So belobigt kann man beruhigt den Ruhestand angehen“, meint dazu der Jurist. Obwohl davon offenbar noch keine Rede ist. Noch hängt in der Ecke des Besprechungsraumes am Garderobenständer seine bayerische Anwaltsrobe. Daneben lugt verstohlen der rote Aktenkoffer hinter der Vitrine hervor. Wrede denkt noch nicht ernsthaft ans Aufhören – immerhin ist aber das weitere Bestehen seiner Kanzlei durch den Sohn bereits geregelt.