Garching – Der Rücktritt vergangenes Jahr kam überraschend: Geschäftsführer Jes Munk Hansen musste zum 1. Dezember seinen Posten bei Ledvance räumen. Als Grund gab der Beleuchtungshersteller aus dem Landkreis München an, Hansen sei im US-Bundesstaat Massachusetts ansässig und Ledvance solle künftig wieder von einem dauerhaft in Garching ansässigen Manager geleitet werden.
Das sei beim neuen Chef Jacob Tarn der Fall, bestätigte gestern ein Firmensprecher. „Tarn wird Ledvance von der Unternehmenszentrale in Garching aus leiten.“ Zuvor hatte Ledvance mitgeteilt, der bisherige Samsung-Manager werde sein neues Amt am 1. Februar antreten. „Der Aufsichtsrat sowie die Eigentümer sind überzeugt, dass er der ideale Kandidat ist, um Ledvance in eine erfolgreiche Zukunft zu führen“, erklärte Aufsichtsrats-Chef Tim Yun Chen. Tarn habe dabei die volle Rückendeckung und Unterstützung des Aufsichtsrats.
Das früher zu Osram gehörige Unternehmen ist im Besitz chinesischer Investoren und kämpft mit einem schrumpfenden Markt für traditionelle Lichttechnik. Im November hatte Ledvance angekündigt, mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze in Deutschland streichen zu wollen. Insgesamt sollen etwa 1300 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren. Neben dem Stammwerk in Augsburg mit 700 Mitarbeitern soll auch eine Fabrik in Berlin geschlossen werden. Ein Ledvance-Sprecher bekräftigte gestern: „Der Kurs bleibt wie gehabt. An unseren Plänen hat sich durch die Personalie nichts geändert.“
Nicht nur Gewerkschaften, Betriebsrat und die Stadt Augsburg hatten die geplanten Werksschließungen heftig kritisiert. Vor einer Woche schalteten sich auch Kirchenvertreter ein und forderten den Erhalt der Arbeitsplätze. „Geben Sie den Beschäftigten eine Perspektive – in Augsburg und anderswo“, schrieben Vertreter der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt und der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen der evangelischen Kirche in einem offenen Brief.
Übergangs-Chef Rüdiger Tibbe hatte aber bereits zuvor die Hoffnungen auf eine Weiterführung des Stammwerks weitgehend zunichtegemacht. Der „Augsburger Allgemeinen“ sagte er Mitte Januar: „Im laufenden Geschäftsjahr wird das Werk Augsburg bei hohen zweistelligen Millionen-Euro-Umsätzen einen Verlust im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich ausweisen.“ Dies sei ökonomisch nicht tragfähig, da es sich direkt auf die Gesamtprofitabilität des Unternehmens auswirke. In Augsburg seien die Anlagen nur zu gut 30 Prozent ausgelastet. Laut Tibbe hatte sich das Management erfolglos mit zahlreichen Alternativen zu einer Schließung des Augsburger Standortes auseinandergesetzt.
Der aus Taiwan stammende neue Ledvance-Chef wird aber nicht nur die Werksschließungen vorantreiben. Die chinesischen Eigentümer hoffen auf die lang ersehnte Wende. „Jacob Tarn ist ein international anerkannter Experte innerhalb der LED-Beleuchtungsindustrie, der bereits unter Beweis gestellt hat, wie man ein Unternehmen wieder auf Kurs bringt“, lobte Aufsichtsrats-Chef Chen den Manager mit Verweis auf seine bisherige Tätigkeit. Tarn war seit Ende 2014 Vize-Chef der LED-Sparte beim südkoreanischen Elektronikriesen Samsung. Und dort habe Tarn eine entscheidende Rolle beim „Turn-Around“ von Samsungs LED-Geschäft gespielt. Jetzt soll Tarn den Garchinger Beleuchtungshersteller wettbewerbsfähig machen. Der Manager selbst zeigte sich gestern zuversichtlich: „Ledvance verfügt über das volle Potenzial, um ein zentraler Spieler in der globalen LED-Beleuchtungsindustrie zu werden“, erklärte Tarn. Mit Material von dpa und KNA