Frankfurt/New York – Die Deutsche Bank zählt nicht mehr zu den 50 wertvollsten Börsenunternehmen in der Eurozone. Deutschlands größtes Geldhaus muss wegen des dramatisch gesunkenen Aktienkurses den Euro–Stoxx 50 verlassen. Mit der Deutschen Bank steigt auch der Versorger Eon zum 24. September aus dem europäischen Leitindex ab. Der Gasehersteller Linde, der vor der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair steht, hat hingegen den Sprung in den EuroStoxx 50 geschafft. Das zeigt eine Rangliste, die die Deutsche Börse am Dienstag veröffentlichte.
Der EuroStoxx 50 bildet die 50 wertvollsten Unternehmen der Eurozone ab. Im Index vertreten sind deutsche Branchenschwergewichte wie SAP, Siemens, Daimler und Allianz, aber auch beispielsweise der französische Ölkonzern Total und der Flugzeugbauer Airbus.
Für die Deutsche Bank bedeutet der Abstieg nicht nur einen Image-Schaden. Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes eins zu eins nachbilden (ETFs). Dort muss umgeschichtet werden, was in der Regel Einfluss auf die Aktienkurse hat. Da viele Fonds den EuroStoxx 50 nachzeichnen, müssen sich Investoren von Aktien der Deutschen Bank trennen. Das belastet tendenziell den Kurs.
Der Aktienkurs der Deutschen Bank hat allein seit Jahresbeginn über 37 Prozent im EuroStoxx 50 eingebüßt. Das Institut hat 2017 den dritten Jahresverlust in Folge eingefahren. Nun genügt der Börsenwert von rund 20 Milliarden Euro nicht mehr. Zweites Kriterium ist das am Markt handelbare Aktien-Volumen.
Auch das spanische IT-Unternehmen Amadeus IT Group wird in den EuroStoxx 50 aufgenommen, ebenso der Luxusgüterhersteller Kering. Der französische Baustoff-Hersteller Saint Gobain steigt ab.
Die Deutsche Bank erklärte, der Abstieg aus dem EuroStoxx 50 ändere nichts an der Konzernstrategie, die auf mehr Profitabilität ziele. Diese werde den Börsenwert wieder steigern.
Neben der Deutschen Bank dürfte auch die Commerzbank die Folgen ihrer Dauerkrise spüren. Es wird erwartet, dass das Dax-Gründungsmitglied bei der Überprüfung des deutschen Leitindex am heutigen Mittwoch Abend für den Zahlungsabwickler Wirecard aus dem Landkreis München weichen muss.
Europas führende Banken fallen vor allem im Wettlauf mit der US-Konkurrenz immer weiter zurück. Zwar konnten Europas Großbanken im ersten Halbjahr ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Jenseits des Atlantiks stiegen die Überschüsse aber erneut deutlich kräftiger, wie eine am Dienstag veröffentlichte Auswertung des Beratungsunternehmens EY ergab.
US-Geldhäuser hängen Europa ab
Demnach verdienten die zehn nach Bilanzsumme größten Geldinstitute in Europa in den ersten sechs Monaten 2018 unter dem Strich zusammen 26,3 Milliarden Euro und damit 9 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die zehn größten US-Banken kamen auf umgerechnet rund 69,1 Milliarden Euro – ein Plus von gut 19 Prozent. Noch deutlicher ist der Abstand beim Vorsteuergewinn: Erneut gesteigerte 87,5 Milliarden Euro (USA) stehen dabei stagnierenden 40,6 Milliarden Euro (Europa) gegenüber.
Die nüchterne Bilanz der EY-Experten: „Seit 2012 sind die Gewinne der amerikanischen Banken zum Ende eines ersten Kalenderhalbjahres jeweils mindestens doppelt so hoch wie die ihrer europäischen Konkurrenten.“ Und der Abstand scheine sich zu vergrößern.
Im laufenden Jahr profitierten die US-Institute vom Boom der heimischen Wirtschaft und der Steuerreform der Trump-Regierung. In Europa sind zehn Jahre nach der jüngsten Finanzkrise die Altlasten noch immer nicht abgearbeitet. „Insgesamt ist die Gewinnsituation der europäischen Banken nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau und immer noch nicht zufriedenstellend“, stellt EY-Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier fest. „Nach wie vor belasten Abschreibungen sowie Restrukturierungs- und Rechtskosten die Bilanzen.“