München – Trotz der Krise in der Kraftwerkssparte hat Siemens einen Milliardengewinn erzielt: Unterm Strich erwirtschaftete der Konzern im Geschäftsjahr 2018, das Ende September zu Ende gegangen war, einen Überschuss in Höhe von 6,1 Milliarden Euro, wie Siemens-Chef Joe Kaeser gestern in München berichtete – eine minimale Steigerung gegenüber dem Vorjahr (siehe Grafik). Die Dividende soll um zehn Cent je Aktie auf 3,80 Euro steigen. Außerdem will Siemens Aktien im Wert von drei Milliarden Euro zurückkaufen, um sie im Rahmen eines Beteiligungsprogramms an Mitarbeiter auszugeben.
„Wir haben wieder geliefert, was wir versprochen haben, und unsere zum Halbjahr angehobene Jahresprognose voll erreicht“, sagte Kaeser. „Es ist nun schon das fünfte Jahr in Folge, dass wir die Prognose erreichen oder übertreffen, selbst wenn wir sie unterjährig angehoben hatten.“ Man kann diesen Satz auch als einen Seitenhieb auf Kaesers Vorgänger Peter Löscher lesen: Löscher hatte in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender mehrere Gewinnwarnungen veröffentlicht, 2013 musste er seinen Posten räumen.
Aber auch unter Kaesers Regie gilt: Bei einer isolierten Betrachtung des vierten Quartals sieht das Ergebnis bescheidener aus. In den Monaten Juli bis September ist der Gewinn um fast die Hälfte eingebrochen. Lag der Quartalsgewinn 2017 noch bei knapp 1,3 Milliarden Euro, waren es in diesem Jahr nur noch 681 Millionen Euro.
Der Grund für den Einbruch war die Krise in der Kraftwerkssparte, die einen Quartalsverlust in Höhe von 301 Millionen Euro auswies. Zu Buche schlugen vor allem hohe Kosten für den beschlossenen Personalabbau. Allein in Deutschland will Siemens 2900 Stellen streichen (wir berichteten). Denn so widersprüchlich es klingt: Sparprogramme kosten Unternehmen zunächst einmal Geld, erst nach einigen Jahren rechnen sie sich. „Signifikante Wirkungen werden wir erst 2020 und in den Folgejahren sehen“, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas.
Die Verluste in der Kraftwerkssparte konnte Siemens aber mit teils hohen Gewinnen in anderen Sparten ausgleichen. Beispiel Zuggeschäft: In Norwegen ist Siemens gerade dabei, das Eisenbahnnetz zu digitalisieren. Gesamtwert des Auftrags: 800 Millionen Euro. Außerdem verkauft Siemens an die Deutsche Bahn weitere ICE-4-Züge. Auftragswert: 600 Millionen Euro. Angesichts der boomenden Aufträge sieht Kaeser inzwischen selbst ein mögliches Scheitern der geplanten Fusion der Zugsparte mit dem französischen Rivalen Alstom gelassen – denn noch könnten die EU-Wettbewerbshüter in Brüssel eine Fusion stoppen. „Aber wenn es keine gibt, dann werden wir andere Lösungen finden“, sagte Kaeser.
Durch die Erfolgszahlen in fast allen Sparten steht Siemens inzwischen besser da als General Electric (GE). Der US-Rivale hatte vergangene Woche einen Quartalsverlust in Höhe von 22,8 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro) ausgewiesen – der Grund waren hohe Abschreibungen im Kraftwerksgeschäft von GE.
Aktuell sieht es so aus, als könnte Kaeser mit seinem Konzernumbau im weltweiten Konkurrenzkampf Boden gutmachen. Kaesers Plan sieht eine Holding-Struktur vor, in der die einzelnen Einheiten mehr unternehmerischen Spielraum bekommen.