München/Berlin – Ein Frühling ohne Spargel, das wäre zwar bitter für einige Landwirte, klingt aber in Zeiten der Corona-Pandemie erst einmal wie ein Luxusproblem. Doch es geht eben nicht nur um Spargel und Toilettenpapier. Vorübergehende Versorgungsengpässe bei einigen Produkten sind im deutschen Lebensmittelhandel mittelfristig nicht auszuschließen, je nachdem, wie lange die Krise dauert.
Landwirtschaft
Die Natur wartet nicht. Wenn Politiker und Agrarfunktionäre nicht in den nächsten Tagen Strategien finden, wie sich kurzfristig Ersatz für Zehntausende Saisonarbeitskräfte aus Bulgarien, Rumänien, der Ukraine und anderen Staaten Osteuropas organisieren lässt, wird auf einem Teil der für den Gemüseanbau in Deutschland genutzten Flächen in diesem Sommer nichts zu ernten sein. Denn durch die Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen wurde die Einreise nach Deutschland für diese Menschen in den vergangenen Tagen zum Hürdenlauf. Jetzt hat das Bundesinnenministerium die bereits vergangene Woche eingeführten Einreisebeschränkungen auch auf Saisonarbeiter ausgedehnt.
Lokal organisieren sich zudem Landwirte im Internet, um Aushilfen zu finden, die wegen der Corona-Krise ihren normalen Job nicht ausüben können. Auch der Bauernverband und das Bundeslandwirtschaftsministerium haben im Internet Plattformen aufgesetzt, damit Arbeitswillige und Landwirte zusammenfinden (s. Kasten).
Logistik/Transport
Eingespielte Lieferketten sind teilweise unterbrochen. Entweder weil die Produktion bestimmter Ausgangsstoffe oder Waren in einem stark von der Corona-Krise betroffenen Gebiet reduziert oder ganz eingestellt wurde. Oder weil niemand da ist, der die Güter transportieren kann. Ein Grund: Ein Teil der Spediteure und Fahrer, die in normalen Zeiten Lastwagen quer durch Deutschland steuern, stammt aus Polen und anderen Staaten Osteuropas. „Bei unseren Subunternehmern fehlen zurzeit etwa 20 Prozent der Fahrer, das sind Osteuropäer, die jetzt bei ihren Familien bleiben wollen“, berichtet Günther Jocher, Vorstand des Logistikunternehmens Group7 mit Hauptsitz in München. Persönlich habe er dafür Verständnis, „auch, wenn es für uns die Situation verschärft“. Jocher weiter: „Durch die Kontrollen kommt es in Europa zu Wartezeiten an den Grenzen von einem bis zwei Tagen.“ Fahrer, die von Italien nach Deutschland wollten, müssten sich verpflichten, in Österreich nicht zu stoppen.
Für polnische Lastwagenfahrer gibt es jetzt Sonderregelungen, wenn sie zurück in die Heimat reisen. Sie müssen nach einer Fahrt durch Deutschland nicht wie andere Reisende in Polen 14 Tage lang in Quarantäne.
In den vergangenen Wochen fehlten in Europa auch Container. Denn in der Phase, in der in China die Wirtschaft heruntergefahren wurde, waren viele Container in chinesischen Häfen blockiert. Dadurch kam der Container-Kreislauf ins Stocken.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer versucht zusammen mit den Ländern seit einigen Tagen, deutsche Speditionen und Fahrer zu gewinnen, die normalerweise für Firmen unterwegs sind, die wegen der Pandemie zurzeit nicht produzieren.
Handel
Auch wenn ein Teil des Wirtschaftslebens jetzt zum Stillstand gekommen ist – in Apotheken, Drogerien und rund 30 000 Lebensmittelgeschäften arbeiten die Menschen im Augenblick unter enormem Druck. Drogeriemärkte suchen via Facebook Minijobber, die helfen sollen, leergekaufte Regale aufzufüllen. McDonalds-Mitarbeiter packen bei Aldi mit an. Die Versorgung sei zurzeit gesichert, die Lager gut gefüllt, „auch wenn vielleicht nicht mehr alle Sorten Nudeln“ angeboten werden, sagt Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH).
Einzelne Produkte sind aber jetzt schon in geringerer Stückzahl verfügbar – auch aufgrund von hohen Corona-Infektionsraten und Ausgangsbeschränkungen in bestimmten Regionen, wo Nahrungsmittel angebaut oder hergestellt werden.