München – Nach Ärger über die Millionenabfindung des Ex-Baywa-Chefs Klaus Josef Lutz gibt es auch Kritik an der Vergütung von Finanzchef Andreas Helber. „Baywa-CFO Andreas Helber hat trotz bereits schwelender Krise im vergangenen Jahr 2,1 Millionen Euro eingestrichen“, heißt es in einem Artikel des Magazins „Finance“.
Ein Blick in den Vergütungsbericht des Unternehmens zeigt: Helber kassierte dabei allein eine Festvergütung von 991 600 Euro. Der Finanzchef des SDax Konzerns hatte damit laut einer gemeinsamen Auswertung der TU München und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ein höheres Festgehalt als die Kollegen von Dax-Konzernen wie Mercedes-Benz, SAP, Merck, Infineon, BMW oder BASF. Hinzu kamen 287 800 Euro an Altersvorsorge sowie 861 300 Euro an Boni, die sich etwa zur Hälfte auf das Jahr 2022 bezogen. Dort hatte die Baywa einen Rekordgewinn gemeldet. Dennoch kritisieren Beobachter, dass sich die Bonuszahlungen an einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen orientierten und nicht Gewinn. Zudem lag auch die Gesamtvergütung Helbers samt Boni über jener der Finanzchefs ungleich größerer Dax-Konzerne wie Porsche, BASF oder Hannover Rück.
Helbers Gehalt ist nicht das Einzige, das weit über dem Schnitt liegt. Auch der Aufsichtsrat verdiente gut. So kassierte Wolfgang Altmüller, der zweite Stellvertreter im Aufsichtsrat, für 2023 laut Vergütungsbericht 228 940 Euro, Manfred Nüssel, der den Aufsichtsrat bis Mitte 2023 geleitet hatte, für ein halbes Jahr 149 629 Euro und Klaus-Josef Lutz, der ohne Abkühlphase Mitte 2023 vom Chefsessel des Unternehmens in den Aufsichtsrat gewechselt war und dort Nüssel abgelöst hatte, für ebenfalls ein halbes Jahr 321 011 Euro. Zum Vergleich: Laut einer DSW-Auswertung liegen die Gehälter für Aufsichtsratschefs im SDax im Schnitt bei 112 000 Euro. Hinzu kommt, dass Ex-Chef Klaus Josef Lutz im gleichen Jahr über zehn Millionen Euro für seine Vorstandstätigkeit erhielt, sechs Millionen davon stammen aus einem umstrittenen „goldenen Handschlag“ für die vorzeitige Beendigung seines Vertrages.
Aktionärsschützer sind angesichts der Krise der Konzerns über die großzügigen Saläre verärgert. „Bei der Baywa hat man sich sehr groß gefühlt, das spiegelt sich auch in den Gehältern“, kritisiert Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt von der DSW. Die Baywa-Gehälter seien viel zu hoch gewesen. Für solche Fälle gebe es Clawback-Klauseln, mit denen man Gehälter rückfordern könne, so Bergdolt. „Wir erwarten, dass der Aufsichtsrat bis zur nächsten Hauptversammlung prüft, ob das in diesem Fall möglich ist.“
ANDREAS HÖSS