BMW-Urgestein Paul Braun: Bei der Weltpremiere sitzen auch tausende BMW-Mitarbeiter in der Halle. © BMW
Klassiker, neu aufgelegt: Kein anderes stand in den letzten Jahrzehnten so für BMW wie der 3er, seit 1975 wurden mehr als 20 Millionen Exemplare verkauft. Der neue i3 soll das traditionelle Design modern zitieren. © BMW
München – Etwa 900 Kilometer Reichweite, 469 PS, eine sportliche Silhouette und eine beleuchtete Niere: BMW hat vor etwa 4000 Mitarbeitern, Journalisten und Analysten in München den neuen i3 vorgestellt. Er ist zwar bereits das zweite Auto der „Neue Klasse“ genannten nächsten Generation an Münchner Elektroautos. Das erste war der im September präsentierte SUV iX3. Doch die 3er-Limousine verkörpert wie kein anderes Modell das Herz des Münchner Konzerns – weshalb sie auch im komplett umgebauten Münchner Stammwerk vom Band laufen wird.
Bei der Präsentation in der früheren Rudi-Sedlmayer-Halle, die heute BMW-Park heißt, griff das Traditionsunternehmen deshalb tief in die Nostalgiekiste: Nicht nur die historische „Neue Klasse“ von 1961, die BMW damals vor dem Niedergang bewahrte, kurvte über den Hallenboden, auf dem sonst die Bayern-Basketballer ihre Bundesligaspiele absolvieren. Auch die sieben Vorgängerreihen des i3 wurden aufgefahren. BMW-Chef Oliver Zipse kletterte vor seiner Rede aus einem roten E46 von 1998. Über den neuen i3 sagte er, er sei „wie wenn man in ein Auto steigt, das eine ganze Generation übersprungen hat“. Er stehe für die Zukunft der Marke.
Tatsächlich ruhen bei BMW alle Hoffnungen auf der Elektro-Generation, auf deren Basis in den kommenden Jahren 40 neue Modelle ausgerollt werden. Und nicht nur BMW-Fans warten mit Spannung. Nach langen Jahren mit einem regelrechten Abgesang auf die deutsche Autobranche wittern die deutschen Hersteller seit einigen Monaten erstmals wieder Morgenluft. Neben i3 und iX3 lobte die internationale Fachpresse in den vergangenen Monaten auch andere deutsche Stromer wie den CLA von Mercedes oder den elektrischen Polo-Nachfolger von VW, der Designelemente wie den Kassettenrekorder oder den Tacho alter VW-Reihen zitiert (siehe Kasten). Die Deutschen können es also doch noch, heißt es plötzlich wieder.
Mit einem Mix aus ikonischen Designzitaten und moderner Technik will auch BMW punkten. Beim iX3 scheint das gelungen. Für das SUV, das seit Kurzem in Europa bei den Händlern steht, soll es 50 000 Vorbestellungen geben – so viele, dass die Produktion nicht hinterherkommt und Interessenten wohl bis 2027 warten müssen, wenn sie jetzt bestellen. Auch in den USA und China, wo der Marktstart in der zweiten Jahreshälfte folgt, soll es Vorschusslorbeeren für das SUV geben: Dessen Nieren mögen nachts wie Biberzähne aussehen. Dafür führt der iX3 Neuerungen wie ein Display für Navi, Infotainment oder Tacho ein, das sich über die ganze Frontscheibe streckt. Dass es chinesische Hersteller bereits kopieren, kann man auch als Lob sehen.
Für die Limousine, die die gleiche Technik erhält, erhofft sich Vertriebschef Jochen Goller einen ähnlichen Erfolg. „Ich kann mir gut vorstellen, dass der i3 den Markt für Limousinen weltweit wiederbelebt“, sagte er am Rande der Präsentation. Wohin genau die Verkaufszahlen gehen, dürfte sich aber erst in wenigen Wochen zeigen. Vorbestellungen für den i3 können demnächst abgegeben werden, innerhalb der nächsten beiden Monate dürfte auch der Konfigurator freigeschaltet werden. Der Verkauf startet im zweiten Halbjahr. Was genau die Limousine kostet? Noch nicht klar. Das SUV startet mit 469 PS bei 70 900 Euro, eine günstigere Einsteigervariante soll bald folgen.
Auch die Münchner BMW-Mitarbeiter werden dem Produktionsstart im August entgegenfiebern. Nicht nur, weil ihr Arbeitgeber Milliarden in das Zukunftsprojekt investiert hat. Für sie endet eine anstrengende und nervenaufreibende fünfjährige Phase der Entwicklung, in der auch das gesamte Münchner Stammwerk umgebaut wurde – samt Wegzug des Motorenbaus. BMW-Personalchefin Ilka Horstmeier machte die Präsentation des i3 deshalb zur größten Mitarbeiterveranstaltung der Unternehmensgeschichte: Von Mittwoch bis Freitag kommen in sieben Schichten je 3000 bis 4000 Mitarbeiter in die Halle, um endlich ihre weiß-blaue Hoffnung mit eigenen Augen zu sehen. Ein „Lagerfeuer-Moment“, mit dem sich der Konzern für die Anstrengungen seiner Mitarbeiter bedanken wolle, so Horstmeier.
Einer von ihnen: Paul Braun, der am Mittwoch als einer der ersten im BMW-Park sitzt. Er ist seit 45 Jahren beim Münchner Autobauer und hat seither jede Premiere der 3er-Reihe mitgemacht. Wie er den neuen i3 findet? „Super!“, sagt Braun. „Und so wie er hier steht, macht er uns richtig stolz.“