Dubai – Die Straße von Hormus, die Meerenge südlich des Irans, führt in den Persischen Golf – aus maritimer Sicht ist es zurzeit eine Sackgasse. Weil die wichtige Wasserstraße wegen des Kriegs und iranischer Angriffe für den Schiffsverkehr praktisch gesperrt ist, liegen dort hunderte Tanker, Containerschiffe und Frachter fest.
Wie viele Seeleute und Schiffe sind von dem Konflikt betroffen?
Rund 20.000 Seeleute, Kreuzfahrtpassagiere, Hafenarbeiter und Offshore-Besatzungen sind nach Angaben der International Maritime Organisation in der Region betroffen. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) geht davon aus, dass darunter mindestens 1000 Seeleute und mindestens 30 Schiffe von zehn Reedereien mit deutschem Bezug sind – etwa die Hälfte davon sind Containerschiffe. Teils sind die Schiffe in der Nähe oder in Häfen anderer Golfstaaten. Andere Schiffe wiederum liegen auf Reede im Persischen Golf. Gleichzeitig warten aber auch viele Schiffe, die eigentlich in den Golf einfahren wollten, auf eine Passage durch die gesperrte Seestraße. 500 Schiffe sollen es sein, wie viele davon deutschen Reedereien angehören, ist nicht bekannt.
Wie ist die Situation für die Besatzungen?
Bislang wurden nach Daten der IMO 16 Handelsschiffe attackiert. Es gab Tote und Verletzte. Auch ein Containerschiff der größten deutschen Reederei Hapag-Lloyd wurde westlich der Straße von Hormus von einem Granatsplitter getroffen (12. März), wie die Reederei mitteilte. Die Situation sei dramatisch, sagte der VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger. „Wir sind ja zivile Handelsschiffe, wir können uns nicht wehren. Wir werden mit Drohnen und Raketen beschossen und das ist natürlich eine ziemliche Katastrophe.“
Welcher Schaden entsteht den Reedereien?
„Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau quantifizieren“, sagt der VDR-Sprecher, dessen Verband nach eigenen Angaben mit rund 200 Mitgliedern den größten Teil der deutschen Handelsflotte vertritt. Viel hänge davon ab, wie sich die Lage weiterentwickele und wie lange sie anhalte. Es gibt aber wirtschaftliche Folgen, die die Reedereien bereits zu spüren bekommen. Durch die gestiegenen Ölpreise verteuert sich auch der Treibstoff für Schiffe. Außerdem verlangen einige Schiffsversicherer deutlich höhere Policen, wenn sich Schiffe in der Konfliktregion aufhalten.
Welche Folgen hat die Blockade für Handel und Verbraucher?
Im Einzelnen ist das schwer abzusehen. Aber wenn Energie teurer wird, steigen in der Regel auch die Kosten für Produktion und Transport. Bereits gestiegen sind Charterraten. Denn weil zurzeit viele Schiffe im Golf festhängen, stehen weniger Schiffe zur Verfügung und das Angebot an Frachtkapazitäten wird geringer. Das betrifft vor allem Tanker, heißt es vom VDR. Vor der Eskalation habe die Charterrate bei etwa 200.000 US-Dollar pro Tag gelegen. Inzwischen seien es bis zu 700.000 US-Dollar.
Wie lange können die Schiffe in der Lage ausharren?
Viele Reedereien stehen laut Reeder-Verband mehrmals täglich mit ihren Kapitänen und Crews in Kontakt, etwa um Lageeinschätzungen auszutauschen. Die Sicherheit der Crew stehe jederzeit an erster Stelle, heißt es. Wichtig sei zudem, dass die Seeleute den Kontakt zu ihren Familien halten können. Proviant, Trinkwasser und Verbrauchsgüter haben die meisten Schiffe ohnehin so gebunkert, dass sie mehrere Wochen auf See bleiben können.