Unterammergau – In Unterammergau im Kreis Garmisch-Partenkirchen entwickelt sich ein Konflikt zwischen Jägern und Waldbesitzern: Es gibt zu viel Rotwild, an den Bäumen entstehen massive Verbiss-Schäden. Auch unter den Jägern herrscht Uneinigkeit. Die privaten werfen den Bayerischen Staatsforsten vor, aus Sparsamkeit zu wenig Rotwild zu erlegen und im Winter zu wenig Futterplätze für die Tiere bereitzustellen. Für die Waidmannsbetriebe entstünden dadurch massive Probleme, weil das Wild in Scharen zu den privaten Futterstellen wechsele. Thomas Bär spricht vom „Hotspot Unterammergau“. Seit fast 20 Jahren, sagt der Vorsitzende der Kreisgruppe des Jagdverbands, hätten die Staatsforsten die Wildfütterungen erheblich eingeschränkt. An 20 Stellen im rund 23 000 Hektar großen Forstbetrieb Oberammergau sei das Füttern ganz aufgelöst worden.
Markus Achhammer, der Revierleiter der Staatsforsten Oberammergau, weist diese Vorwürfe zurück. Das Jagdrecht regle auch die Fütterung. „Danach wird von uns angepasst gefüttert. Eine Einschränkung aus Sparsamkeitsgründen kann gar nicht erfolgen“, betont er. Die Fütterung folge den wildbiologischen und gesetzlichen Vorgaben. „Das Rotwild benötigt beispielsweise in einem Wintergatter in milden Wintern bei optimaler Ruhe deutlich weniger Futter“, betont der Betriebsleiter. Man dürfe nur in Notzeiten füttern, etwa wenn das natürliche Äsungsangebot nicht ausreicht oder die Schneelage anhaltend hoch sei. „Unsere Wintergatter sind bereits jetzt für den kommenden Winter mit Futtermitteln bevorratet.“ Zum Fressen bekomme das Rotwild ausschließlich natürliches Erhaltungsfutter wie Heu und Grassilage, dazu etwas Apfeltrester. „Kein Kraftfutter oder fertige Futtermischungen“, sagt Achhammer. Und Futterstellen-Auflösungen sind ihm nicht bekannt.
Jäger Thomas Bär will sich damit nicht zufriedengeben: „Das seit Jahren betriebene Jagdkonzept des Forstbetriebs Oberammergau ist in puncto Rotwild gescheitert und muss dringend reformiert werden“, betont er. Für das viele Rotwild macht er die Staatsforsten verantwortlich: „Die haben das Schlamassel verursacht.“
Der Jagdbeirat fordert nun, dass der Wildbestand sinnvoll reduziert wird. Derjenige, der die größte Fläche vorweisen kann – also die Bayerischen Staatsforsten – müsse auch die meisten Tiere erlegen, rechnet Bär vor. Andernfalls komme es zu einer hohen Belastung für die Privatjagden im Winter. Auch die Bauern würden schimpfen, weil ihnen das Rotwild das frische Gras wegfrisst, berichtet Bär.
„Es geht hier nicht um den Forstbetrieb Oberammergau und unsere Staatsjagd-Reviere“, sagt Achhammer. „Unsere Rotwildfütterung im Wintergatterbetrieb orientiert sich an den Leitlinien des Landkreises zur Verbesserung der waldbaulichen Situation und erfüllt die jagd- und waldgesetzlichen Vorgaben in Bayern.“ Dasselbe gelte auch für die Abschussplanerfüllung.
Den Bauern frisst das Rotwild das frische Gras weg