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Sechs mögliche Ursachen für den Herz-Kreislauf-Stillstand

Ärztin lobt Ersthelfer und Zusammenhalt in Ausnahmesituation: „Alles Menschenmögliche getan“ – Auslöser der Tragödie unklar

CT-Aufnahmen: die Lungenarterien mit ihren Verästelungen. Bei einer Lungenembolie sind sie verstopft. © Foto: Smarterpix

Grafing/Ebersberg – Im Kampf um das Leben von Grafings Bürgermeister Christian Bauer mussten sich Ersthelfer und Ärzte geschlagen geben, obwohl die Rettungskette vorbildlich in Gang gesetzt worden war. „Der Zusammenhalt ist beeindruckend. Es wurde alles Menschenmögliche getan, leider ist das entschlossene Handeln und große Engagement insbesondere der Ersthelfer in diesem tragischen Fall nicht belohnt worden“, sagte Professor Viktoria Bogner-Flatz, Ärztliche Direktorin der Kreisklinik Ebersberg, unserer Zeitung. Die erfahrene Notfallmedizinerin betonte, wie wichtig sofortige Wiederbelebungsversuche nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind. „Die Rettung ist meist nicht dem Notarzt zu verdanken, sondern den mutigen Menschen, die in solchen belastenden Ausnahmesituationen einen kühlen Kopf bewahren und sofort mit der Reanimation beginnen.“

Der Hintergrund: „Wenn das Herz stillsteht, fließt kein Blut mehr durch den Körper. Lebenswichtige Organe werden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, das Gehirn reagiert darauf besonders empfindlich“, erklärt Bogner-Flatz. „Deshalb ist es so wichtig, sofort mit einer Herzdruckmassage gegenzusteuern, bis der Notarzt eintrifft.“ Dies verdoppelt bis verdreifacht die Überlebenschancen.

Bauers Schicksal ist kein Einzelfall. Laut Bundesgesundheitsministerium geschehen 70 Prozent der Herz-Kreislauf-Stillstände außerhalb von Krankenhäusern oder Arztpraxen. Aber nur in 55,4 Prozent der Fälle werde eine Reanimation durch Laien begonnen. 10.000 Menschenleben könnten jedes Jahr zusätzlich gerettet werden, wenn sich mehr Menschen eine sofortige Herzdruckmassage zutrauen würden, so das Ministerium.

Für den Bürgermeister von Grafing kam trotzdem jede Hilfe zu spät. Woran er letztlich starb, lässt sich ohne ärztliches Bulletin nicht seriös analysieren. Die Notfallmediziner gaben zu den genauen Todesumständen gestern aus Respekt vor der Familie und Datenschutzgründen keine Auskunft. Allerdings gibt es einige häufige Gründe für einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Das sind sechs mögliche Ursachen:

Lungenembolie: Dabei werden große Lungengefäße verstopft. Das Blut kann nicht mehr durch die Lunge fließen, um Sauerstoff aufzunehmen. Die rechte Seite des Herzens versucht mit aller Kraft, Blut gegen den Widerstand des verstopften Gefäßes in die Lunge zu pumpen. Das Herz versagt dabei in Sekundenschnelle. Unbehandelt führt jede dritte Lungenembolie zum Tod.

Herzinfarkt: Grunderkrankung ist die Koronare Herzkrankheit (KHK). Die Herzkranzgefäße sind verengt. Fließt nicht mehr ausreichend oder gar kein Blut mehr hindurch, kommt es zum Infarkt. Besonders kritisch wird es, wenn eine sogenannte Hauptstammstenose vorliegt – in diesen Fällen entsteht der Verschluss dort, wo die Koronararterien entspringen. Dann ist ein großer Teil des Herzmuskels von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten.

Aortenruptur: Ein dramatischer Notfall, bei dem die Wand der Hauptschlagader einreißt oder komplett zerreißt. Viele Patienten verbluten innerlich, bevor sie überhaupt die Klinik erreichen.

Herzmuskelentzündung: Sie kann von Bakterien oder Viren verursacht werden. Der Fachbegriff lautet Myokarditis. Diese Entzündungsprozesse stören die Reizleitung des Herzens. Eine mögliche Folge ist schweres Kammerflimmern, bei dem das Herz kein Blut mehr pumpt. Nach Erkenntnissen des Deutschen Zentrums für Herzkreislaufforschung weist jeder zehnte junge Mensch, der unerwartet stirbt, eine Myokarditis auf.

Herzschwäche und unerkannte Herzerkrankungen: Dazu zählen Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien) und angeborene Herzfehler, die zu Herzrhythmusstörungen führen.

Hirnblutung: Ein Gefäß reißt ein, man spricht von einem Aneurysma.ANDREAS BEEZ

Freitag, 2. Oktober 2026
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