Bereits die alten Griechen und Römer schätzten Ingwer als genialen Scharfmacher. Die Briten halten der Wurzel bis heute die Treue und bei uns ist die asiatische Küche zum Glück sehr beliebt, mit ihr der Ingwer. Frisch gehackt oder gerieben verströmt er ein herrliches Eukalyptus- und Zitrusnoten-Aroma. Gingerol und Shogadol sind für die Schärfe verantwortlich. Sie reizen direkt auf der Zunge die Enden des Trigeminusnerves, wodurch das „Schmerzsignal“ ausgelöst wird.
Keine Sorge: In diesem Fall wird es „nur“ als scharf wahrgenommen. Was uns – je nach Dosis – für kurze Zeit die Luft anhalten lässt, kurbelt den Stoffwechsel an und schlägt möglicherweise Bakterien und Viren in die Flucht. Die interessant-fruchtige Schärfe des Gingerols verschwindet allerdings leicht bei längerem Köcheln.
Frischer Ingwer hat eine glatte, silbrig-glänzende Haut und zeigt sich an der Bruchstelle der Wurzelarme saftig. Ingwerwurzeln müssen nicht geschält werden. Die Schale ist geschmacksneutral und ungiftig, aber etwas zäh. Bleibt der Ingwer als Gewürz im Essen, empfiehlt sich das Schälen und anschließende Reiben, Kleinhacken oder in feine Scheiben Schneiden. In asiatischen Ländern trinkt man gerne zu jeder Jahreszeit schlückchenweise heißes Ingwerwasser. Dazu wird ein bis zwei Zentimeter der Wurzel in dünne Scheiben geschnitten in eine Thermoskanne gegeben, und mit kochendem Wasser aufgegossen. Dieses heiße Würzwasser kühlt im Sommer und wärmt im Winter.
Ingwerpulver kommt der frischen Wurzel nur annähernd gleich. Es hat durch die hohe Verarbeitung lange nicht das Aromenspektrum des frischen Ingwers. Heute beziehen wir frischen Ingwer weitgehend aus China. Er unterliegt wie alle Einfuhren von Lebensmitteln den entsprechenden Kontrollen. Wird Bio-Ingwer aus China nach Europa eingeführt, muss er wie alle Biolebensmittel nach den Richtlinien der EG-Bio-Verordnung produziert sein. Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Anforderungen nicht immer erfüllt werden, die Beanstandungsquote an Grenzwertüberschreitungen von Pestiziden ist relativ hoch. Die Bio-Zertifizierungsstellen versuchen, mit stärkeren Kontrollen und Aufklärungsmaßnahmen dagegen vorzugehen. Chinesischer Bio-Ingwer ist gegenüber konventionellem Ingwer im Schnitt aber sicherlich geringer mit Pestiziden belastet. Manche Händler bieten peruanischen Ingwer an, da seine Qualität besser sein soll. Allerdings stellen immer mehr Erzeuger den Anbau ein, da sich ihr Ingwer schlecht verkaufen lässt. Preislich können sie mit dem günstigen Ingwer aus China nicht mithalten.
Dort wurde im Jahr 2016 rund 10 Prozent mehr Ingwer produziert als noch im Vorjahr. In Peru haben die Anbauflächen bereits abgenommen, sodass die nächste Ernte um etwa ein Drittel niedriger ausfallen wird. Peru hat sich auf den Anbau von Bio-Ingwer spezialisiert.
Ingwer benötigt warme Temperaturen, eine hohe Luftfeuchtigkeit und Halbschatten. Diese findet man vor allem in den Tropen und Subtropen. Der Anbau als Monokultur ist häufig wenig erfolgreich, da die Pflanzen anfälliger für Krankheiten sind. Im ökologischen Landbau wird Ingwer zwischen anderen Pflanzen, wie beispielsweise Obstbäumen, gepflanzt. Aus klimatischen Gründen wird es in Europa vermutlich keinen Ingweranbau im größeren Stil geben.
Linsensuppe
für zwei
Zutaten: 100 Gramm rote Linsen, eine Zwiebel, eine Knoblauchzehe, ein Esslöffel Olivenöl, eine Karotte, ein Stück Knollensellerie, ein Stück frischer Ingwer, eine halbe Dose Kokosmilch, eine Dose Tomaten in Stücken, Chili, Kurkuma, Piment, Salz, ein Esslöffel Essig.
Zubereitung: Rote Linsen etwa zehn Minuten kochen und abgießen, Zwiebel und Knoblauch hacken, in Fett andünsten, Karotten und Sellerie fein würfeln, zu den Zwiebeln geben, weiter dünsten, Tomaten, Kokosmilch und Linsen zugeben, würzen, leicht köcheln, zum Schluss einen Schuss Essig und fein gehackten Ingwer zugeben.