Wohin nur mit Cents und Pfennigen?

von Redaktion

Viele Menschen in Deutschland sammeln Kleingeld – in leeren Gurkengläsern, Schachteln oder Sparschweinen. Und das nicht nur am heutigen Weltspartag. Dabei gibt es kostenlose Möglichkeiten, die Cent-Stücke wieder loszuwerden.

VON JULIA KILIAN UND SEBASTIAN HÖLZLE

Es kann einen wahnsinnig machen: Kleingeld, das unters Sofa rollt, in Manteltaschen klimpert oder das Portemonnaie verbeult. Manche Leute machen daher oft eins, wenn sie nach Hause kommen: Geldbörse auf, Münzen raus. Wenn die Banken diese Woche zum Weltspartag Ende Oktober aufrufen, schlummert auch in deutschen Haushalten so manches Vermögen.

Deutsche hängen am Kleingeld

Deutschland ist noch immer ein Land, das am Kleingeld hängt. Während man bei skandinavischen Bäckern oder englischen Pubs mit Karte zahlt, werden in Deutschland Münzen zusammengesucht. Manche Länder haben kleine Cent-Münzen sogar aus dem Alltag verbannt – in den Niederlanden etwa wird beim Einkauf auf 5 Cent gerundet. In Deutschland werden dagegen vor allem kleine Beträge fast nur bar bezahlt – bei Summen bis fünf Euro zu 96 Prozent, wie eine Studie der Bundesbank im vergangenen Jahr ergab. Demnach haben die Menschen im Schnitt 107 Euro eingesteckt, davon 6 Euro als Kleingeld. Wie viele Münzen bei Leuten daheim noch rumliegen, kann keiner genau sagen.

Viel Kleingeld ist verschollen

„Man darf nicht vergessen, dass wohl auch viele Münzen zwischen Autositzen liegen. Oder in der Winterjacke, die man jetzt aus dem Schrank holt“, sagt ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands in Berlin. Daneben hätten manche Leute daheim auch Geldkassetten, Spardosen oder eben Kleingeldgläser.

Viele Banken verlangen Gebühren

Das Abgeben von Münzen lassen sich manche Banken mittlerweile allerdings bezahlen. Die Institute würden das sehr unterschiedlich handhaben, heißt es bei den jeweiligen Verbänden der Sparkassen, der Privatbanken sowie der Volks- und Raiffeisenbanken. Manche nehmen Gebühren von Gewerbekunden oder Fremdkunden, andere ab einem bestimmten Betrag oder Alter.

Was Einzahlungen inzwischen kosten

Mittlerweile hat sich bei vielen Banken folgendes Modell durchgesetzt: Bargeldeinzahlungen am Automaten sind kostenlos, am Schalter werden Gebühren fällig. Beispiel Commerzbank: „Wenn Kunden mit einem kostenlosen Girokonto an unseren Ein- und Auszahlautomaten Bargeld einzahlen oder abheben, ist dies weiterhin kostenlos“, sagt ein Sprecher des Instituts. Anders bei Einzahlungen am Schalter: Hier verlangt die Commerzbank seit Juli 1,50 Euro pro Vorgang.

Die Münchner Bank setzt komplett auf Einzahlungen am Automaten. Die Einzahlungen seien kostenlos, sagt eine Sprecherin der Genossenschaftsbank aus München. In der Sparwoche rund um den heutigen Weltspartag könnten Kinder ihr Geld aber kostenlos am Schalter einzahlen.

Bei der HypoVereinsbank heißt es: „Einzahlungen und Auszahlungen für unsere Privatkunden im normalen Umfang sind in der Regel kostenlos – dies schließt die Sparschweine unserer jungen Kunden ein.“

Die Stadtsparkasse München verlangt – je nach Konto – zwischen null und 2,50 Euro für Bareinzahlungen am Automaten. Am Schalter kostet die Einzahlung unabhängig vom Konto fünf Euro.

Bundesbank tauscht Münzen kostenlos um

Privatkunden können Münzen auch „in haushaltsüblichen Mengen“ ohne Gebühr bei den 35 Bundesbankfilialen in Deutschland umwechseln. Vorausgesetzt, man hat eine in der Nähe. Die Filiale in München befindet sich in der Leopoldstraße 234, geöffnet Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 12.30 Uhr. Im Freistaat gibt es außerdem Bundesbank-Filialen in Augsburg, Regensburg, Würzburg und Nürnberg. Vorteil der Bundesbank: Sie tauscht nicht nur Euro-Münzen um, in den Filialen der Bundesbank lassen sich auch alte D-Mark-Bestände in Euro umtauschen. Der amtliche Umtauschkurs beträgt 1 Euro für 1,95583 D-Mark. Aber auch einige Banken nehmen von ihren Kunden nach wie vor Mark und Pfennig an. Ob das der Fall ist, muss beim Institut erfragt werden.

Wechselmünzen kosten Geld

Kompliziert ist der Umgang mit Kleingeld für Einzelhändler – denn auch das Besorgen von Wechselmünzen kann teuer sein. Unternehmen zahlen bei der Commerzbank beispielsweise 40 Cent pro Rolle, Nichtkunden einen Euro. „Für Privatkunden ist die Ausgabe von Rollengeld bis maximal 100 Euro aber kostenlos“, sagt der Sprecher des Instituts. Die Stadtsparkasse München setzt ab 2019 auf ein neues Modell: Für eine 1-Cent-Rolle berechnet sie dann 10 Cent an Gebühren, bei der 2-Cent-Rolle sind es 25 Cent. Bei allen anderen Rollen werden Gebühren von 50 Cent fällig.

Münzen beim Einkauf loswerden

Oft bekommt man Münzen auch beim Einkauf los, ohne sie nach Hause tragen zu müssen. Wer gar nicht weiß, wohin mit dem Kleingeld, kann es mit Trinkgeld versuchen oder es bei Händlern in die Kaffeekasse werfen.

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