Wenn man nicht mehr arbeiten kann

von Redaktion

Ob ständiger Stress im Job oder schlicht ein gefährlicher Beruf – wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, muss finanziell zurückstecken. Denn die Leistungen der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente reichen oft nicht aus. Hier helfen Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Fast jeder Vierte muss vorzeitig aus seinem Job aussteigen. Am häufigsten fallen Berufstätige wegen psychischer Erkrankung, Erkrankungen des Skeletts und Bewegungsapparats und Krebsleiden dauerhaft aus. In diesen Fällen ist es wichtig, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu haben. Die Stiftung Warentest hat in ihrem Heft „Finanztest“ 59 Tarife von Berufsunfähigkeitspolicen untersucht. 35 haben im Test sehr gut abgeschnitten, 23 gut und einer befriedigend. Doch längst nicht jeder Interessierte bekommt einen Vertrag.

Warum die Police wichtig ist

Arbeitnehmer, die über einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig sind, können meist bei der gesetzlichen Rentenversicherung Erwerbsminderungsrente beantragen. Jedoch reicht diese oft nicht aus, um das Existenzminimum zu sichern. Selbstständige und Freiberufler, die nicht in die Rentenkasse oder berufsständische Versorgungswerke eingezahlt haben, stehen ohne Absicherung da.

Wie man vorgehen sollte

Wer sich auf die Suche nach einem guten Vertrag machen will, sollte sich Zeit nehmen. Nicht nur ein Anbieter sollte nach einem Angebot angefragt werden, sondern mehrere. Die Angebote sollten dann geprüft und mit den eigenen Wünschen abgeglichen werden.

Wer sich die Auswahl nicht alleine zutraut, kann sich an unabhängige Versicherungsberater wenden, die neutral beraten. Das gilt vor allem für Verbraucher, die in den letzten fünf Jahren ernsthaft krank waren, chronisch krank sind oder in einem Risikoberuf arbeiten. Der Grund: Die Gesundheitsfragen müssen vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Wer eine Frage falsch verstanden oder eine Diagnose übersehen hat, riskiert den Versicherungsschutz.

Die besten Angebote für drei Modellkunden

Die meisten der 59 Tarife, die von den Testern untersucht wurden, gehören zur Crème de la Crème – wie „Finanztest“ schreibt. Darüber hinaus gibt es unzählige, oft auch schlechtere Tarifvarianten, die nicht genannt werden. Deshalb sollten Interessierte unbedingt auf die Tarifbezeichnung und den Stand der Bedingungen achten, wenn sie sich an einen Versicherer wenden.

Spitzenreiter im Test waren Tarife von Hannoversche und Allianz. „Finanztest“ zeigt Preise für drei Modellkunden: Den günstigsten sehr guten Schutz für einen Controller bietet der Versicherer Europa (Tarif SBU E-BU). Der Modellkunde zahlt 810 Euro im Jahr, wenn er eine Monatsrente von 2000 Euro versichern will. Der Vertrag läuft bis zum 67. Geburtstag. Modellkunde zwei ist Industriemechaniker. Für ihn hat ebenfalls die Europa das günstigste sehr gute Angebot. Für 1500 Euro Monatsrente zahlt er im Jahr 880 Euro. Dritte Modellkundin ist eine Arzthelferin, die eine Rente von 1000 Euro absichern möchte. Sie findet bei der Hannoverschen (Tarif SBU 19) den günstigsten sehr guten Schutz für 490 Euro im Jahr.

Worauf Kunden achten müssen

. Planungssicherheit: Sinnvoll ist es, sich zunächst an den Modellkunden zu orientieren und sehr gute Tarife mit günstigem Zahlbeitrag herauszusuchen. Aber Achtung. Je nach Überschuss der Versicherung kann der Zahlbeitrag steigen (maximal bis zu einem ebenfalls im Vertrag fixierten Tarifbeitrag). Das ist wichtig, weil die Policen oft mehrere Jahrzehnte laufen. Man sollte deshalb ein Angebot auswählen, bei dem man notfalls auch in der Lage ist, den Tarifbeitrag zu schultern!

. Laufzeit: Die Versicherung sollte über das gesamte Erwerbsleben bis zur Altersrente laufen, in der Regel bis zum 67. Geburtstag. Eine Verlängerung ist üblicherweise nicht möglich. Einige neue Verträge enthalten eine Verlängerungsoption, falls der Gesetzgeber das Rentenalter zum Beispiel von 67 auf 70 Jahre erhöht. Im Test sehen 18 von 59 Tarifen diese Möglichkeit unter Auflagen vor.

. Höhe der Berufsunfähigkeitsrente: Die Rente sollte so hoch sein, dass sie den Lebensstandard bei Verdienstausfall sichert. Eine Faustregel lautet: etwa 70 bis 80 Prozent des Einkommens versichern. Schließlich laufen die Lebenshaltungskosten und Sparbeiträge für die Altersvorsorge weiter. Achtung: Versicherer haben meist eigene Richtlinien, bis zu welcher Höhe sie eine Berufsunfähigkeitsrente versichern.

. Kunden sollten auch auf eine Nachversicherungsgarantie achten. Wer in jungen Jahren vielleicht eine Monatsrente von 1000 Euro versichert hat, kann dann bei höherem Verdienst zum Beispiel auf 2000 Euro Rente erhöhen. Bei Anlässen wie Heirat, Wechsel in die Selbstständigkeit, Abschluss von Studium oder Ausbildung ist das möglich.

. Gesundheitsfragen: Korrekte Antworten auf die Gesundheitsfragen sind bei Vertragsschluss das A und O. Eine Ungenauigkeit kann zur Folge haben, dass der Versicherer nicht zahlt.

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