Bahnpreise fallen, Angebot steigt

von Redaktion

Die Bahn hat gute Vorsätze fürs neue Jahr angekündigt, und tatsächlich senkt sie erste Ticketpreise. Die billigsten Fernfahrten kosten dann 15 Euro.

VON WOLFGANG MULKE

Zum Fahrplanwechsel an diesem Sonntag fällt für Bahnkunden im Fernverkehr die übliche Fahrpreiserhöhung in diesem Jahr aus. Schon zum Neujahrstag könnten Fahrkarten sogar zehn Prozent billiger werden – sofern Bundestag und Bundesrat vor Weihnachten die Mehrwertsteuer senken. „Wir halten Wort“, sicherte zumindest ein Bahnsprecher zu. 140 Bahnmitarbeiter haben in den vergangenen Monaten am neuen Fahrplan gearbeitet, sagte ihr Chef Frank Hoffmann. „Natürlich schauen wir ganz besonders am Sonntag, wie der neue Fahrplan anläuft.“ Für die Fahrgäste gibt es auf einer Reihe von Strecken mehr Sitzplätze oder dichtere Fahrtakte, auch eine neue Intercity-Strecke ist im Angebot. Doch es gibt auch Einschränkungen.

Fernfahrt ab 15 Euro

Auch ohne eine Absenkung der Mehrwertsteuer senkt die Deutsche Bahn ab dem 1. Januar die ersten Ticketpreise. Der „Super Sparpreis“ kostet dann statt bisher 19,90 Euro nur noch 17 Euro. Besitzer der BahnCard 25 könnten sogar schon ab 15 Euro eine Fernfahrt antreten. „Andere Ticketpreise will das Unternehmen verbilligen, sobald sich Bund und Länder über die Ausgestaltung des Klimapakets verständigt haben. Darin enthalten ist eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Reisen von mehr als 50 Kilometer von 19 Prozent auf sieben Prozent. Das entspricht einer Senkung der Reisepreise um zehn Prozent. Eine Verständigung darüber wird in den ersten Wochen des neuen Jahres erwartet.

Berlin im Stundentakt

Der für den Personenverkehr zuständige Bahn-Vorstand Berthold Huber kündigte eine deutliche Ausweitung des Zugangebots an. So verkehren die Züge zwischen Berlin und Frankfurt oder München künftig im Stundentakt. Ausgebaut wird auch der Verkehr zwischen Hamburg und dem Rhein/Ruhrgebiet. Hier wird der schon bestehende Stundentakt um weitere Sprinterzüge ergänzt. Die Sitzplatzkapazität auf dieser stark frequentierten Strecke steigt damit um 15 Prozent.

Neue ICE-Flotte

Möglich macht das der ICE4, von dem die Bahn derzeit alle drei Wochen einen neuen Zug von den Herstellern bekommt. Bis 2025 soll die ICE4-Flotte von 39 auf 137 Züge anwachsen. Ab Juni nächsten Jahres wird der ICE 4 auch zwischen Berlin und Basel eingesetzt. Insgesamt erhöht sich die Kapazität auf den Reisen in die Schweiz um 20 Prozent.

Neue Verbindungen

Eine neue Verbindung wird nun zwischen Dresden über Berlin nach Rostock eingeweiht. Zunächst gibt es täglich zehn Fahrten, ab März wird ein Zwei-Stunden-Takt mit Intercityzügen aufgenommen.

International rüstet die Bahn ebenfalls auf. Gemeinsam mit Unternehmen aus Tschechien und Österreich wird die Route Berlin-Prag-Wien betrieben.

Nachts nach Wien

Die Deutsche Bahn lässt nachts einige ICE und Intercity fahren, jetzt auch zwischen Berlin und Zürich sowie Hamburg und Zürich. Aus dem Geschäft mit rollenden Schlafgelegenheiten ist sie aber 2016 ausgestiegen. Die Österreichischen Bundesbahnen lassen seither Nachtzüge auch durch Deutschland rollen. Neu ist vom 19. Januar an die Nightjet-Verbindung Wien-Brüssel über München und Frankfurt. Die Züge halten unterwegs in zwölf deutschen Städten. Ab Mai plant die ÖBB eine weitere Direktverbindung zwischen Berlin und Wien.

Neue Jobs

Die neue Rolle der Bahn beim Umweltschutz macht den Schienenverkehr inzwischen auch zu einem Jobmotor. „Die Bahnunternehmen erhöhten im vergangenen Jahr die Zahl der Arbeitsplätze um sieben Prozent auf 262 000“, hat die Allianz pro Schiene ermittelt. Insgesamt schätzt der Verband die Zahl der Stellen in der Branche auf 640 000, mit stark steigender Tendenz. „Der hohe Arbeitskräftebedarf erleichtert die Aufgabe, den Strukturwandel im Verkehrssektor sozial verträglich zu gestalten“, sagt Verbandschef Dirk Flege. Doch auch hier fehlt es an Fachkräften, insbesondere Ingenieure und Lokführer sind begehrt. Auf 100 freie Stellen kommen derzeit nur 23 Bewerber. Damit sei der Engpass bei Lokführern der größte in Deutschland, noch vor dem bei Altenpflegern, stellt der Verband Allianz pro Schiene fest.

Baustelle

Auch im neuen Jahr hat die Bahn nicht nur Erfreuliches zu melden. Denn es wird wieder viel gebaut – was zunächst Belastungen bringt. Die ICE-Strecke Mannheim-Stuttgart zum Beispiel wird vom 10. April bis 31. Oktober gesperrt und generalüberholt. Gleise und Weichen müssen nach 30 Jahren ausgetauscht werden. Das hat gravierende Folgen, denn über den Abschnitt fährt jeder sechste Kunde im Fernverkehr – üblicherweise in 40 Minuten. Nun werden die Züge umgeleitet. 35 bis 60 Minuten zusätzlich sind fahrplanmäßig zu erwarten. Außerdem fallen Fahrten aus, auch zwischen Karlsruhe und Stuttgart.

Flíxbus-Routen

Der einzige Bahn-Konkurrent im Fernverkehr will von Sonntag an auch Fahrgäste in Aachen, Leipzig, Halle (Saale), Erfurt, Gotha, Eisenach und Lutherstadt Wittenberg einsammeln. Zwischen Hamburg und Köln richtet das Unternehmen eine Expressverbindung ein. Fahrzeit: dreieinhalb Stunden. Im Frühjahr sollen die grünen Züge dann auch auf der neuen Strecke Hamburg-Stuttgart fahren.

Mit Material von dpa

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