Auch die Börse ist fast schon in den Weihnachtsferien. Am Montag vor und am Freitag nach Weihnachten wird noch einmal gehandelt und zum Schluss des Jahres am 30. Dezember verkürzt bis 14 Uhr. „An den Märkten wird es ruhiger. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Wertpapierkäufe für dieses Jahr bereits eingestellt“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank.
Beim Deutschen Aktienindex Dax ging es trotzdem am viertletzten Handelstag des – erfolgreichen – Börsenjahres noch einmal nach oben. Auf rund 13 300 Zähler. Aber eine wirkliche Jahresendrally, wie viele Händler gehofft hatten, gibt es wohl doch nicht.
Das Rekordhoch von 13 596 Zählern vom Januar 2018 bleibt (vorerst) außer Reichweite. „Die Jahresend-rally entwickelt sich zu einer zähen Angelegenheit“, sagt ein Händler und blickt ein wenig neidisch auf die Indizes in den USA, die zuletzt ständig auf neue Rekordhöhen geklettert sind.
Aber 25 Prozent im Dax können sich auch sehen lassen. Wobei es an der Börse auch in diesem Jahr deutliche Ausreißer nach unten gab, wenn auch kaum unter den 30 Dax-Werten. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) verweist in ihrem Schwarzbuch Börse 2019 unter anderem auf die Aktie der Restaurantkette Vapiano, auf die Global Fashion Group, auf Windeln.de und home24. Bei diesen Aktien haben Anleger zwischen der Hälfte und 80 Prozent ihres angelegten Geldes verloren. Sie dürften die teils hohen Risiken der Geschäftsmodelle solcher Unternehmen nicht vergessen, heißt es bei der SdK.
Im Vergleich dazu sind dann die Anleger noch gut gefahren, die ihr Geld aufs Sparbuch gelegt haben. Drei Viertel der Bundesbürger vertrauen einer neuen Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment immer noch auf diesen Weg, auch wenn die Zinsen gegen Null tendieren und das Geld real nach Abzug der Inflationsrate immer weniger wird, wie Geschäftsführer Giovanni Gay betont. Den Anlegern scheine offenbar nicht bewusst zu sein, das herkömmliche Sparformen nichts mehr bringen. Erstaunlich: Zwei Drittel halten es für attraktiv, ihr Geld in Aktien oder Aktienfonds anzulegen. Sie tun es nur nicht.
Beim Dax und damit bei den 30 wichtigsten deutschen Aktien wären sie weiter gut beraten, glaubt man jedenfalls bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Bis Mitte nächsten Jahres traut Ökonom Christian Apelt dem Index einen Anstieg auf 14 000 Zähler zu. Schwankungen nicht ausgeschlossen. Skeptischer ist Michael Bissinger von der DZ Bank. Der Aktienmarkt sei so hoch bewertet wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Vergangenheit lehre, dass dies kein Dauerzustand bleiben werde. Er rechnet deshalb im nächsten Jahr eher mit Stagnation an der Börse. Aber nicht mit einem Minus. Auch das ist besser als das Sparbuch. ROLF OBERTREIS