Träumerei und Transparenz

von Redaktion

Spannungsreiches Konzert des Musikforums Sachrang in der Pfarrkirche

Aschau – Debussy-Kontraste, besser hätte man das Konzert „Seite an Seite“ in der Sachranger Pfarrkirche nicht betiteln können, stand doch neben dem vor 100 Jahren verstorbenen französischen Komponisten Mozart auf dem Programm. Und aufs Vortrefflichste arbeiteten die sechs Musiker – die vier erfahrenen Professoren Hansjörg Schellenberger (Oboe), Margit-Anna Süß (Harfe), Christian Euler (Viola) und Nils-Thilo Krämer (Flöte) „Seite an Seite“ mit den beiden jungen Studenten Theresa Schönberger (Geige) und Lukas Rothenfußer (Cello) – die musikalischen Gegensätze zwischen Melancholie und Heiterkeit, zwischen Romantik und Klassik, zwischen Träumerei und Transparenz heraus.

Mit den „Deux Interludes“ von Jacques Ibert (1890 bis 1962) begann das Konzert: Anmutig verwoben sich – ganz im Stile des Impressionismus – die Flöten- und Oboentöne, pastoral klang das Andante espressivo, zingaresk-iberisch mutete das Allegro vivo an. Mit Claude Debussy (1862 bis 1918) ging es weiter. Zum Träumen verleitete die Harfe mit der „Premiere Arabesque“ für Harfe Solo mit ihren romantischen Arpeggien und ihrem zart-dynamisch gewebten Klangbild. Poetisch-klagend stimmte die Flöte in „Syrinx“ für Flöte solo mit tiefen Tönen und sich verlierend in absteigender Ganztonleiter Pans Liebesleid an.

Der Romantik setzten dann Oboe und Streichtrio nach Wolfgang Amadeus Mozarts C-Dur Quartett in der Bearbeitung von Mordechai Rechtman gänzlich andere Töne entgegen: Erfrischend-heiter das Allegro und neckend das Andantino – scheinbar leicht und musikalisch eingängig, aber dennoch komplex-anspruchsvoll und raffiniert. Die Mozartsche Leichtigkeit ging noch weiter bei drei Duetten für Flöte und Oboe aus Mozarts Oper „Don Giovanni“. Die beiden Instrumentalisten ließen ihre Instrumente virtuos singen: Verliebt-romantisch mutete das „deh vieni al finestra“ an, verführerisch-flirtend kam das „la ci darem la mano“ daher und aufgekratzt-schwungvoll die Champagner-Arie „fin ch‘ han dal vino“.

In scharfem Kontrast zum Vergnüglichen ging es dann mit Debussys Sonate für Flöte, Viola und Harfe weiter. Und dennoch mit logischer Konsequenz setzt sich doch auch bei Debussy quasi der Dialog der Instrumente fort, wenngleich auf ganz andere Art als bei Mozart, steigerte sich hier die Klangdichte von der Pastorale über das Interlude im Stile eines Menuetts hin zum Finalsatz.

Eindrücklich gelang die stille Poesie, die arabesken Läufe und Verzierungen und die rhythmische Intensität, zauberhafte Klänge, die sich – nun wieder mit anderen Farben und Stimmung – bei Mozarts Quartett in F-Dur für Oboe und Streichtrio, sein einziges Kammermusikwerk für Solo-Oboe übrigens, fortsetzten. Der Oboeist ist hier quasi der Solist, und Schellenberger glänzte denn auch mit schönem, runden Ton, seine Oboe verband sich feinsinnig mit der kammermusikalischen Streicherbesetzung.

Dem singenden allegro-Satz schloss sich ein pathetisches Adagio an und endete mit einem Rondo im Allegro. Grandios, wie souverän und virtuos die Streicher der Polyrhythmik – die Oboe wechselt kurz zum Vierviertel-Takt – trotzten, mit wie viel Leidenschaft sie musikalische Bögen spannten und Akzente setzten, und wie sie im Schlussakkord der Oboe mit dem zarten dreigestrichenen Raum ließen. Gänsehaut – solch kontrastreiche Kammermusik dürfte es öfter geben.

Artikel 7 von 9