Auf die Präzision kommt es an: Die Gemüsestücke für die Miso-Suppe müssen exakt einen Zentimeter lang sein, sonst schmeckt Japans bekannteste Spezialität am Ende nicht so wie in Kumi Yoshiis Heimat. Die 55-Jährige lebt, arbeitet und kocht seit 22 Jahren in Deutschland.
Ihr Mann Andreas Eisenkolb hilft oft bei der Vorbereitung der Speisen mit. „Deswegen werde ich beim Schneiden auch richtig gequält“, sagt er und lacht. Exakt diese Liebe zur Genauigkeit in der Küche treibt beide an.
Kumi Yoshii wurde das wohl in die Wiege gelegt. Nicht nur ihre Heimatstadt Osaka gilt als Japans kulinarische Genusshauptstadt, sie hat auch einen außerordentlichen Geschmackssinn geerbt. „Gibt man Kumi einen Löffel Olivenöl, schmeckt sie genau heraus, womit das Öl in Berührung gekommen ist“, sagt ihr Mann voll Bewunderung. Sie selbst ist da natürlich deutlich bescheidener, lacht – und winkt ab.
Auch ihre Mutter kocht leidenschaftlich gerne. Über 9250 Kilometer Luftlinie hinweg tauschen sich Mutter und Tochter am Telefon oft über die verschiedenen Zubereitungsarten aus. Kommt die Mutter mal nach München, ist das Gepäck immer voller heimischer Spezialitäten, die in der neuen Heimat München schwer zu bekommen sind. Erst jüngst brachte sie eine Yuzu mit.
Die Frucht sieht unserer Zitrone ähnlich, schmeckt aber dezent süßer – und eignet sich herrlich für ein Dressing zum Salat, passend zur Miso-Suppe. „Die Kombination Salat und Suppe mag hier komisch sein, bei uns ist sie normal“, sagt Kumi Yoshii.
Sie mag es, Deutschen ihre Heimatküche näherzubringen, sie etwas Neues testen zu lassen. „Und unsere Gäste mögen das ebenso. Wenn ich doch mal etwas anderes als japanisch serviere, sind sie enttäuscht.“ Kein Wunder, gibt es doch in München selten ein so authentisches Essen. Denn die Japanerin zieht sogar ihre Kräuter und ihr Gemüse wie Shiso, Mizuna und Myoga auf ihren zwei Balkonen mit Blick auf die Kirche St. Johannes in Haidhausen selber.
Und sollte dann doch etwas sehr schwer aufzutreiben sein, fragt sie ihre Arbeitskolleginnen. Als Büroangestellte arbeitet sie in einer japanischen Firma, viele ihrer Kollegen kommen also auch aus dem „Land der aufgehenden Sonne“.
Nur beim Frühstück gibt die Japanerin Europa den Vorzug. Aus zeitlichen Gründen. „Die Zubereitung der Miso-Suppe dauert viel zu lange. Dafür habe ich morgens keine Zeit“, sagt sie.
Einmal in der Woche kocht die Wahl-Münchnerin mindestens japanisch – selbstverständlich dann mit Miso-Suppe als Beilage. Auch das ist völlig normal in ihrer Heimat.
Vor dem Essen stellt sie alles in vielen kleinen Schüsseln auf den Tisch. Akkurat nebeneinander muss alles stehen, jedes Detail muss perfekt sein. In einer der Schüsseln findet der Gast immer Reis. Und der kommt mittlerweile sogar aus dem Reiskocher. „Ich hatte lange keinen“, erinnert sich Yoshii und muss schmunzeln. Das nämlich kommt in ihrer Heimat einem Fauxpas gleich. Ihre Mutter redete also auf sie ein, bis ihre Arbeitskolleginnen ihr einen schenkten. Seitdem geht es nicht mehr ohne. Ähnlich ist es auch mit ihrem neu erworbenen Thermometer für die Tempura. Für die in einem Teig frittierten Gemüsestreifen oder Meeresfrüchte muss das Fett eine Temperatur zwischen 160 und 180 Grad haben. Yoshii selbst hat früher das Fett einfach erhitzt und dann ein wenig Teig reintropfen lassen. „Kam der Teig wieder hoch, war das Öl heiß genug“, erklärt sie. „Es war aber selten zu heiß.“ Jetzt, mit Thermometer, geht es schneller – und natürlich akkurater.