Unter Nomaden stellt man sich normalerweise Menschen vor, die irgendwo unter freiem Himmel leben und von Ort zu Ort ziehen. Frauen und Männer, die „aus wirtschaftlichen Gründen eine nicht-sesshafte Lebensweise führen“, erklärt Wikipedia. Nur so könne der Lebensunterhalt gesichert werden. In der Regel jagen und sammeln sie, um sich und die Familie zu ernähren.
In gewisser Weise trifft das auch auf Antje de Vries zu. Auch sie ist ständig auf der Jagd. Nicht im herkömmlichen Sinn. Die 39-Jährige ist stets auf der Suche nach neuen Rezepten und Formen des gemeinsamen Essens. Ein selbst erklärter „Foodi“, der 2014 seine Sesshaftigkeit aufgegeben hat. Seitdem führt Antje de Vries ein Leben im Hotel oder auf dem Sofa von Freunden. Immer mit dem Ziel, Neues zu entdecken.
Seit sie 16 Jahre alt ist, hat Antje de Vries die Leidenschaft fürs Essen für sich entdeckt. Die gebürtige Ostfriesin flog damals zum Schüleraustausch nach Texas. Bereits am ersten Tag besuchte das Mädchen einen für dort typischen Farmers Market. „Die Melone, die ich da probierte, hat mich geflasht. So eine gute Frucht hatte ich noch nie gegessen.“ Da auch ihre Austauschmutter eine besondere Affinität zum guten Essen hatte, wurde die Nahrungsaufnahme zelebriert. Oft gemeinsam mit Freunden.
Die Erfahrung, dass Essen ein verbindendes Element ist, hat sie geprägt, die Leidenschaft blieb ihr. Nach dem Abi machte die Ostfriesin eine Kochausbildung, setzte ein Studium der Ernährungsökonomie drauf. Seitdem reist sie als Beraterin für gastronomische Konzepte, Produkt-Scout und Köchin durch die Welt und tut das, woran sie Spaß hat: Immer wieder Neues entdecken und ausprobieren.
„Irgendwann hat mich das Glück nach Bali gespült“, erzählt sie. Zusammen mit Vivi D’Angelo (36). Auch sie hat sich aufs Essen spezialisiert, 2019 gewann sie sogar den ersten Platz beim internationalen Food-Feature Award. Die Halbitalienerin studierte zunächst Kommunikationswissenschaften und machte ihren Master im Bereich Kulturerbe. In das Food-Thema rutschte sie „irgendwie rein – weil ich schon immer gerne gekocht und gebacken habe“. Anfangs konzentrierte sich die 36-Jährige auf den fertigen Teller. Heute interessiert die Tochter einer Deutschen und eines Italieners mehr, wo die Nahrungsmittel überhaupt herkommen.
Das Buch-Projekt über Bali hat die Köchin und die Fotografin einst zusammengeführt. „Wir kannten uns noch keine zwei Tage und das Feuer für diese gemeinsame Mission war entfacht.“
Heute stehen die beiden in Vivi D’Angelos Münchner Foto-Studio und berichten beim Nachkochen einiger traditioneller Gerichte von der gemeinsamen Reise. „Die Balinesen kochen nicht nur, sie zelebrieren die Zubereitung und das gemeinsame Essen.“ Das gehe schon damit los, dass vor dem Beginn des Kochens den Göttern der erste Espresso geopfert wird. Spiritualität und Kochen sind auf dieser Insel eng miteinander verbunden.
In ihrem Buch nehmen sie die Leser mit auf eine kulinarische Reise und liefern authentischen Geschmack, der sich auch hierzulande nachkochen lässt. Die Zutaten gibt es im Asia-Laden zu kaufen. Das ist ein genussvolles Erleben einer ganz fremden Kultur. Dazwischen atmosphärische Bilder von Vivi D’Angelo. Ein wirklich außergewöhnliches Geschichtenbuch mit besonderen Rezepten und Bildern von der Insel der Götter.
Nach dem gemeinsamen Kochen, schnappt sich Antje de Vries ihren Koffer. Auf dem Weg zum nächsten Projekt. Gut gegessen wird überall auf der Welt. Man muss sich nur darauf einlassen.