München/Bogotá – Gustavo Petro ist als erster linksgerichteter Präsident Kolumbiens vereidigt worden. Im Juni hat er sich in seinem dritten Antrittsversuch via Stichwahl gegen den Immobilienmakler und Milliardär Rodolfo Hernández durchgesetzt.
Petro, ehemals Mitglied der Rebellengruppe M-19, war nach seiner Abkehr vom bewaffneten Kampf unter anderem Diplomat in Brüssel und Bürgermeister der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Der Ökonom hat einige Veränderungen für das südamerikanische Land angekündigt: Eine Renten- und Gesundheitsreform, mehr erneuerbare Energien und verschiedene Gesetze zur Armutsbekämpfung. Vor allem aber liegt ihm eines am Herzen: Die Verhandlungen mit allen bewaffneten Gruppen. Das seit 2016 existierende Friedensabkommen mit der Guerillagruppe Farc wurde bislang kaum umgesetzt.
In Kolumbien sind seit den 1960er-Jahren über 300 000 Menschen getötet und sieben Millionen vertrieben worden – meistens aufgrund von Kämpfen um den Drogenhandel. Auch deshalb erklärt Petro die internationale Drogenpolitik für gescheitert und fordert einen neuen Kurs. An seiner Seite: Francia Márquez, die erste Schwarze Vizepräsidentin Kolumbiens. Zuvor war sie Haushälterin, dann Umweltaktivistin und Anwältin. Ihr Fokus liegt auf Umweltthemen und den Belangen von Armen, Schwarzen und Indigenen. Aufgrund ihres Umwelt-Einsatzes wurde 2019 ein Mordanschlag auf sie verübt.
Ob Petro seinen angekündigten radikalen Wandel umsetzen kann, ist noch unklar. Im Parlament gibt es zwar eine linksgerichtete Mehrheit, aber zum einen ist Kolumbien hoch verschuldet und außerdem muss Petro auch seine Skeptiker, wie zum Beispiel Wirtschaftsvertreter oder die Streitkräfte, hinter sich bringen, um nicht an ihrem Widerstand zu scheitern. REBECCA HABTEMARIAM