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Die Briten sind verrückt nach Andy

Einer für alle: Andy Burnham mit einer Delegierten. © AFP

München/Liverpool – Vielleicht fängt es schon beim Namen an. Niemand in Großbritannien würde den Premier Andrew Burnham nennen, auch wenn der so heißt. Alle sagen Andy. Man stelle sich vor, in Deutschland käme jemand auf die Idee, Friedrich Merz „Fritze“ zu taufen. Der Einzige, der es je getan hat, war Olaf Scholz, und da war es eindeutig als Beleidigung gemeint.

Burnham hat am Dienstag auf dem Labour-Parteitag eine Rede gehalten, die ihm viel Beifall und Lob eingebracht hat. Das hatte nicht nur mit dem emotionalen Vortrag zu tun, der seinen Höhepunkt erreichte, als er vor einer Passage über seinen verstorbenen Vater mit den Tränen kämpfte. Es hatte ganz grundsätzlich damit zu tun, dass seine Rede und sein gesamtes Auftreten deutlich mehr nach Andy als nach Andrew klangen. Klar im Tonfall, schonungslos in der Analyse, aber auch unerschütterlich in ihrem Optimismus.

Bevor Burnham im Sommer sein Amt antrat, gaben sich die Premiers in Downing Street 10 die Klinke in die Hand. Auf den windigen Boris Johnson folgten die unglückliche Liz Truss, der glatte Rishi Sunak und der blasse Keir Starmer. Er habe mit seinen zehn Wochen Amtszeit schon länger durchgehalten als mancher Vorgänger, sagte Burnham in Liverpool. Truss schaffte nur 44 Tage.

Die Latte hing also niedrig, einerseits. Andererseits stehen die Personalien für die desolate Lage des Landes, seinen politischen, wirtschaftlichen, in Teilen auch gesellschaftlichen Niedergang seit dem Brexit-Votum 2016. Der Job könnte also nicht schwerer sein für Burnham.

Der Auftritt in Liverpool hat eine erste konkrete Ahnung vermittelt, was er mit dem Land vorhat, von einem neuen Pflegesystem bis zum Wohnungssektor. Den heikelsten Punkt aber spart er sich für das Ende auf: den Brexit. Der habe dem Land „mehr geschadet als genutzt“. Im November lädt Burnham EU-Vertreter zu einem Gipfel ein, auf dem er das künftige Verhältnis zwischen Königreich und Festland definieren will. Es gebe „verschiedene Optionen“. Am Abend bestätigt der Premier dann in der BBC, dass es ihm nicht nur um Zollunion und Binnenmarkt geht.

Burnham hat nie einen Zweifel an seiner Ablehnung des Brexits gelassen. Ihn nun in einem Land, das in der B-Frage gespalten und aufgepeitscht wurde, wieder auf die Agenda zu setzen, ist gewagt, aber reizvoll. Viele Briten haben längst begriffen, welch schlechter Deal der Brexit für sie war.

Bislang zahlt sich der Kurs aus. Die Briten scheinen ihm abzunehmen, dass er an einer Verbesserung der Lebensverhältnisse interessiert ist, mehr als die Tories, aber auch als der aalglatte Rechtspopulist Nigel Farage. Obwohl der das Gesicht des Brexit war, führte er mit seiner Reform UK in den Umfragen lange. Jetzt ist Labour vorbeigezogen.MARC BEYER

Freitag, 2. Oktober 2026
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