Bischöfe wollen die politische Mitte stärken
Bischof Heiner Wilmer, Vorsitzender der Bischofskonferenz, in Fulda. © Wegner/epd
Fulda – Wenn Gerhard Feige durch seine Bischofsstadt Magdeburg geht, zählt er die Menschen, denen er begegnet: „Eins, zwei, eins, zwei….“ Jeder Zweite hat bei der Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt die AfD gewählt. Aber kaum einer bekenne sich aus Scham dazu. Es sei so, als läge eine Art von bleierner Luft über der Stadt. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer, schildert die bedrückenden Beobachtungen seines Amtskollegen zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung der DBK in Fulda.
Die katholischen Bischöfe sind in großer Sorge um die politische Lage in Deutschland. Wilmer spricht von einem Paradigmenwechsel, wenn die AfD Regierungsverantwortung übernehmen würde. „Das beunruhigt uns Bischöfe sehr.“ Erstmals leitete Wilmer eine komplette Vollversammlung, im Frühjahr erst war er zum Vorsitzenden gewählt worden. Er wählte starke Worte über die AfD: „Sie stellt die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage. Sie will ein anderes Deutschland.“ Zugleich ist er erschrocken darüber, dass über 30 Prozent der Katholiken im Osten eine Partei wählen, die als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. Man werde mehr Räume schaffen müssen für das Gespräch mit diesen Menschen. Man müsse ihnen zuhören, sie nach ihren Sorgen befragen. Die Bischöfe wollten alles tun, um die erstarkenden zentrifugalen Kräfte in der Gesellschaft zu stoppen. „Die AfD zielt auf ein Zerreißen dieser Mitte“, warnte Wilmer. „Wir dürfen den spalterischen Parolen nicht nachlaufen.“ In Sachsen-Anhalt hatte die AfD 43,8 Prozent erreicht.
Die Kirche will widersprechen, wenn „Hass und Hetze gegen Einzelne und ganze Bevölkerungsgruppen immer alltäglicher werde“. Die Würde des Menschen ist unantastbar, zitierte Wilmer den Artikel 1 des Grundgesetzes: „Da steht nicht die Würde des Deutschen.“ Auch gegen das Narrativ einer „defekten Demokratie“ wehren sich die Bischöfe mit Vehemenz. Aber Wilmer warnte auch vor linksextremistischen Umtrieben – vor allem mit Blick auf das Verhältnis zu Israel: „Antisemitismus ist Sünde.“ Die Politik dürfe sich nicht von extremen politischen Rändern bestimmen lassen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz rief eindringlich zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf.
Bei der Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz wurde auch gewählt: Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, ist neuer Beauftragter für Kultur.CLAUDIA MÖLLERS