Von Eiskeller bis Whiskybunker

von Redaktion

Zum Abkühlen auf Unterwelten-Tour durch Franken

Radler lieben das Maintal, Wanderer die Wege durch den Forst, Weinkenner die Silvaner und Spätburgunder, andere bestaunen Kirchen und Fachwerk. Churfranken, die Tourismusregion zwischen Spessart und Odenwald, ist ein romantischer Fleck. Was viele nicht wissen: Es gibt hier Spannendes im Verborgenen, so manch dunkle unterirdische Seite und Orte zum Abkühlen.

Ab in den Eiskeller

Wer dieses Gewölbe betreten will, das sich einhundert Meter in den Greinberg erstreckt, muss Johann Geiger per Knopfdruck herbeiklingeln. Dann öffnet der Besitzer der St. Kilian Kellerei in Miltenberg den Zugang in den einstigen Eiskeller, der seit 1482 dokumentiert ist.

Die Temperatur stürzt auf sechs Grad. Die Strecke ist geneigt. So konnte das Schmelzwasser früher nach außen ablaufen. Früher – das sind die Zeiten, als es noch keine Kühlschränke gab. Der Keller diente der Bevölkerung als Eisvorratskammer. Hier deckte man sich mit Eisbrocken ein, die die Lebensmittel kühlten (st-kilian-kellerei.de).

Feuchte
Schatzkapelle

Mitten im Sandstein, der für alte Teile der Brauerei Faust in Miltenberg ausgehöhlt wurde, steckt die Schatzkapelle. Es ist feucht. Drei Deckenlampen spenden schummriges Licht. Brauer Johannes Faust, 60 Jahre alt, taucht ab in die Historie: „Im Dreißigjährigen Krieg versteckten hier Zisterziensermönche Silbermünzen.“ Die heutigen Schätze bestehen aus Cognac- und Whiskyfässern. Im Eichenholz reifen Biere heran (www.faust.de).

Whisky statt
Munition

Es war einmal ein Nato-Gelände namens Hainhaus, wo die US-Streitkräfte geheime Munitionsdepots unterhielten. Mittlerweile lagern in den Bunkern tausende Fässer von St. Kilian Distillers, „Deutschlands größter Whisky-Destillerie“.

Beim Zutritt kippt die Luft des Odenwalds in Whiskyduft. Das Mutterhaus der Destille liegt im nahen Rüdenau. Rundgänge führen zu den Gärbottichen. „Whiskys haben bei uns eine erhöhte Trinkstärke, 46 Volumenprozent“, so Führer Udo Käsmann (stkiliandistillers.com).

Unter der
Henneburg

Gespenstisches Dunkel. Feuchtigkeit glitzert an den Wänden. Tropfen von der Decke treffen den Nacken. „Die Kasematte ist das geheimnisvollste Stück der Henneburg“, erklärt Petra Werthmann die Festung, die seit dem Mittelalter gebieterisch über dem Maintal thront. Die Kasematte mit Schießscharten ist ein schmales Gewölbe. Eine Wendeltreppe führt in die Unterwelt, wo man über festgestampften Boden geht. Tipp: die Aussichtsplattform für den Maintal-Blick (www.stadtprozelten.de).

Die Erforschung der
„Wunderwaffe“

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wollten die Nazis eine „Wunderwaffe“ entwickeln, das „Röntgenstrahlbündelflakgerät“. Die Idee: mit gebündelten Röntgenstrahlen die Bordelektronik feindlicher Bomber ausschalten, die Besatzung töten. Schauplatz der Forschungen war der Bunker am Nordring in Großostheim, über dem eine Halle als Tarnung diente.

„Letztlich kam nichts dabei raus“, weiß Edith Magin von der Kulturinitiative Ringheim e.V. Nach dem Krieg nutzte ein Holzspielzeug-Hersteller die Bunker als Produktionsstätte (bunker-ringheim.de).

In der
Klimaanlage

„Wir gehen zum Lachen in den Keller“, grinsen die Kellerfreunde Schneeberg. Für sie sind die historischen Räume ihres Heimatorts Plätze der Geselligkeit und lokales Kulturgut: „Jeder Keller ist ein Stück Heimat.“ Knapp fünf Dutzend, die ursprünglich als Weinlager dienten, haben sich aus dem 16. bis 19. Jahrhundert erhalten.

Typisch sind Tonnengewölbe und Kellerschieber, bewegliche Sandsteinplatten als Fensterersatz. „Kellerschieber fungierten zusammen mit Lehmböden wie eine Klimaanlage. Im Sommer ließ sich damit die Temperatur regeln.“ Mehr Infos und gesellige Termine unter: www.kellerfreunde-schneeberg.de. Andreas Drouve/dpa

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