Frisches Geld für Chip-Hoffnung aus München
Fleming Bruckmaier (li.) und Kevin Berghoff haben Quantum Diamonds gegründet. Sie prüfen Chips auf Herz und Nieren.
München – Das junge Münchner Halbleiter-Unternehmen Quantum Diamonds hat eine beachtliche Finanzierung in Höhe von 91 Millionen Euro an Land gezogen. Das Start-up will damit eine Technologie zur Serienreife führen, die ein enormes Problem der modernen Elektronikwelt löst – den versteckten Ausschuss bei der Produktion von Hochleistungs-Chips.
Die Finanzierungsrunde setzt sich aus zwei Teilen zusammen: 15 Millionen Euro frisches Eigenkapital kommen von privaten Investoren. Der Löwenanteil von 76 Millionen Euro stammt jedoch aus staatlichen Fördermitteln. Diese werden auf EU-Ebene im Rahmen des „European Chips Act“ bereitgestellt – einem europäischen Programm, das die Abhängigkeit von asiatischen und amerikanischen Chipfabriken verringern soll.
Quantum Diamond ist das erste Start-up überhaupt, das diese prestigeträchtige Fertigungsförderung erhält. Die Ausgründung aus der Technischen Universität München (TUM) spielt damit in einer Liga mit Branchenriesen wie Carl Zeiss oder GlobalFoundries.
„Wir bauen eine Art Röntgen-Apparat für durch elektrische Ströme erzeugte Magnetfelder“, erklärt Firmengründer Kevin Berghoff gestern gegenüber unserer Zeitung. „Wir können winzige Fehler erkennen, ohne den Chip aufschneiden zu müssen“
Denn moderne Mikrochips – wie sie in Smartphones, Autos oder für Künstliche Intelligenz (KI) benötigt werden – sind hochkomplexe, dreidimensionale Landschaften im Miniaturformat. Bei der Herstellung werden Milliarden winzigster Schaltkreise übereinandergeschichtet. Das Problem: Herkömmliche Prüfgeräte können nicht in diese tiefen Schichten blicken. Bleibt ein Defekt unbemerkt, ist der gesamte Chip unbrauchbar.
In der Halbleiterindustrie entscheidet die Ausbeute, also der Prozentsatz der funktionierenden Chips pro Produktionsscheibe, über Gewinn und Verlust. Kann ein Hersteller die Ausbeute bei einem stark nachgefragten Chip um nur einen einzigen Prozentpunkt steigern, spart das oft mehrere Millionen Euro – und das pro Woche. Die größten dieser Fabriken stehen heute in Taiwan, etwa beim Auftragsfertiger TSMC. „Wir haben bereits vor einiger Zeit ein Paper veröffentlicht, in dem wir zeigen, wie wir mit unserer Technologie die neuesten von TSMC gefertigten iPhone-Chips erfolgreich getestet und dabei Fehler gefunden haben.“
Die Technologie von Quantum Diamonds klingt nach Science-Fiction, ist aber bereits Realität. Das Unternehmen nutzt künstlich hergestellte Diamanten, die absichtlich winzige atomare Baufehler aufweisen. Diese Fehler reagieren extrem empfindlich auf magnetische Felder. Da jeder fließende Strom ein Magnetfeld erzeugt, funktioniert das System wie ein hochempfindliches Quanten-Mikroskop: Es macht die Ströme im Inneren des Chips sichtbar, ohne diesen zu zerstören. Fehler im Nanobereich können so präzise in Lage und Tiefe geortet werden.
Die Firma ist europäisch geprägt: „Wir sind mit unserer Technologie deutlich weiter als Firmen aus den USA und Asien“, so Berghoff. „Die Hälfte der Firma gehört mir und meinem Mit-Gründer Fleming Bruckmaier. Daneben haben wir ausschließlich europäische Investoren wie Early Bird, World Fund und Bayernkapital.“
Das Geld verdient sie woanders: „Unsere Geräte sind auch für die europäische Industrie interessant. Aktuell tun wir uns aber leichter damit, in Asien und den USA zu verkaufen. Einfach weil die Innovationsfreude und die Zahlungsbereitschaft hier auf einem ganz anderen Level sind.“
Aktuell werden die Maschinen von Quantums Diamonds in Test-Labors in den USA und Taiwan genutzt. „Unser Ziel ist, dass in 5 bis zehn Jahren jeder produzierte Chip in einer Fabrik durch unser Testverfahren läuft.“ Die Firma wurde erst 2022 aus der TU München gegründet und hat heute 75 Mitarbeiter. „Mit der aktuellen Finanzierungsrunde schaffen wir bis 2028 mindestens 200 Jobs“, erklärt Berghoff. Noch in diesem Jahr soll die Serienfertigung im Münchner Osten eröffnet werden. Kostenpunkt: 152 Millionen Euro.